Für wen ist Kuba das geeignete Reiseziel?

Kuba ist momentan ein sehr beliebtes Reiseziel und wird überall beworben. Doch es ist immer noch ein armes Land, das versucht in die Moderne zu kommen. Wir haben einen Langzeitaufenthalt in Kuba hinter uns und sind der Meinung Kuba wird überbewertet. Allerdings ist es kein schlechtes Reiseziel. Kuba kann für dich eine sehr gute Erfahrung werden, wenn einer der folgenden Aspekte auf dich zutrifft.

1. Pauschal- und Strandurlaub ist genau dein Ding

Wenn du als Pauschaltourist sowieso nur am Strand liegen und deinen Mojito schlürfen möchtest, dann kannst du nach Kuba kommen. Kuba bietet alles, was ein Pauschalurlauberherz begehrt. Und wenn man Geld genug hat, dann schnappt man sich eine alte amerikanische Maschine und fühlt sich wie Elvis und Marilyn. Wenn du sowas suchst, dann ist Kuba etwas für dich.Casa handtuchfigur Kuba

2. Dir liegen die Menschen am Herzen

So lange hier ein politisches System herrscht, dass zwar Sicherheit schafft und ein Mindestmaß an Gesundheit erhält, aber sonst nix macht, sodass an allen Stellen Mangel herrscht… So lange die USA sich nicht auf Kuba zubewegen und ihren Verbündeten erlauben das auch zu tun…

…so lange sind die Menschen hier auf den Tourismus angewiesen wie kein Land, das wir zuvor besucht haben. Wer in ein Land reisen will, weil er den Menschen vor Ort mit seinem Geld etwas Gutes tun möchte, wie Joachim in Casilda, der findet hier Freunde und für den ist Kuba ein geeignetes Ziel.

3. Dich fasziniert, wie Menschen kreativ Probleme lösen

In Kuba wird alles repariert, was wir normalerweise wegschmeißen: durchgelegene Matratzen, marode Stahlbetonträger, rostzerfressene Autochassis uvm. Es ist wirklich überraschend, was Kubaner manchmal noch recht ordentlich repariert kriegen.

Kuba velotaxi repariertHier werden Kreativität und Geschick an den Tag gelegt, das wir komplett verlernt haben. Selbst wenn es darum geht nur etwas Geld zu beschaffen, Kubaner organisieren alles und versuchen selbst dem größten Schrott etwas Wert zu verleihen. Eigentlich ist hier der kreativere Kapitalismus am Werk. Wer sich an so etwas erfreuen kann, hat hier auch etwas zu erleben.

Warum Kuba überbewertet ist

Natürlich ist Kuba Karibik, sicherer als andere Länder und wird gerade in den Prospekten angepriesen. Man solle jetzt noch einmal schnell das „alte Kuba“ sehen, bevor es von den Amerikanern überrannt wird. Ich kann das absolut nicht nachvollziehen!!!

Hier eine kleine Liste, was mit Kuba alles nicht stimmt.

Ob du der Typ bist, für den sich eine Reise nach Kuba doch lohnt, erfährst du hier.

1. Die Sehenswürdigkeiten

Trinidad – Perle der Kolonialzeit, Ancón – zweitschönster Strand Kubas, Varadero – Touristenparadies, Cayo Coco – Insel der Träume… In den Katalogen und auch auf den Plakaten hier am Straßenrand sieht das alles sehr lohnenswert und paradiesisch aus. Aber wenn man real davorsteht, ist es eher enttäuschend. Von dem alten Kuba ist nichts zu sehen, paradiesische Strände sind woanders schöner und auch ansonsten ist hier nichts wirklich außergewöhnlich. Ist aber doch ganz nett hier. Man sollte sich von den Sehenswürdigkeiten aber nicht zu viel erwarten, sonst ist man enttäuscht. Ja, natürlich fahren hier alte Autos rum und man kann den kubanischen Lebensstil kennenlernen. Aber die Autos findet man auch auf jedem Oldtimertreffen und von dem kubanischen Lebensstil sieht man als Tourist sowieso kaum etwas. Wenn man Kuba bereisen will, dann sollten die Sehenswürdigkeiten nicht der Grund sein. Das lohnt nicht!

2. Kuba ist teuer

Also wenn wir alles in allem mal überschlagen ist ein Urlaub in Deutschland nicht wirklich teurer als ein Urlaub hier. Das mag als Pauschaltourist anders sein. Aber man zahlt sich an allen Ecken dumm und dämlich. Die Preise sind horrend und gemessen an der Leistung total überbewertet. 1 € für das Parken eines einzelnen Fahrrads? 10 € für ein Mittag ist nicht teuer, gemessen an einem Dönerteller aber weniger, weniger gesund und teurer. Wenn man hier auf eigene Faust reist, so wie wir, muss man damit rechnen ausgenommen zu werden wie eine Weihnachtsgans.

Aber selbst wenn man nicht von den Touristenfallen ausgenommen wird, dann wundert man sich doch über die Preise in den Supermärkten, die ja auch für Kubaner gelten. z.B.: eine Packung normale Spaghetti: 1,50€; Standardcornflakes einer Noname-Marke von Spar: 3,75 € (ja hier sind deutsche Produkte sehr beliebt: Kühne, Spar usw. Nur deutsche Autos sind eine Seltenheit) Wer nach Kuba fährt, um billig ein bisschen Urlaub machen zu können, ist hier garantiert falsch. Unser Schnitt pro Tag: 70 € plus Flug.

Mein Fazit: Wenn man bereit ist US-Preise zu zahlen, kann man auch in die USA fliegen. Für die Umstände hier würde ich einen deutlichen Nachlass erwarten.

3. Kubaner sind leider keine Kanadier

Mal von unseren adventistischen Freunden hier und wenigen Ausnahmen abgesehen sind Kubaner nur so weit nett zu dir, wie es Geld gibt. Viel Geld! Aber auch dann hält sich die Freundlichkeit auf Höflichkeit begrenzt. Aber ist das nicht überall so? Dieser Gedanke kam mir auch. Aber leider waren wir zuvor in Toronto und die Menschen dort sind was Freundlichkeit angeht das komplette Gegenteil. Andere Reisende haben das ähnlich beschrieben. Aber es soll wohl nur in Kuba so sein. In anderen karibischen Ländern sind die Menschen wohl auch netter und verlangen nicht gleich Geld.

Eine Ausnahme muss ich doch machen: Je weiter man sich von den Touristengegenden entfernt, desto netter scheinen die Leute zu werden. Und natürlich gibt es auch sehr nette Leute hier. Aber im Schnitt kann man die Leute hier höchstens höflich nennen. Wer im Urlaub in Kuba nette Leute kennenlernen will, sollte Kanadier suchen.

4. Der Gestank

Mit Gestank meine ich nicht Müll, der hier überall rumliegt, nicht die Fäkalien, die in jeder Stadt in Ecken und auf den Straßen liegen, und auch nicht das ein oder andere verwesende Tier, das man hier und dort liegen sieht. Müll, Fäkalien und Kadaver erkennt man irgendwann aus der Ferne und wechselt einfach die Straßenseite. (Wobei das in Bezug auf Fäkalien deutlich schwieriger ist. In großen Teilen von Havanna liegt das überall rum. Andere Städte sind da deutlich anders. Die haben nur Müll.)

Was hier so stinkt sind die Autos. Alte amerikanische Maschinen sehen zwar irgendwie romantisch aus. Aber sie sind nicht gerade mit den neuesten Abgasfiltern ausgerüstet und knallen ihren Ruß überall hin. Aus den meisten Auspuffrohren quellen tiefschwarze Wolken. Und die Kubaner scheinen das in Ordnung zu finden. Wenn man anhält, zum Tanken, zum Erzählen, zum Einkaufen, wird der Motor in der Regel laufen gelassen. Das stinkt! Selbst an der Küste, wo immer eine kleine Brise weht, stinkt es nach Abgasen. Wer überfüllten, stinkenden Städten entfliehen möchte und im Urlaub Ruhe und Natur braucht, ist in Kuba falsch. Die Alpen sollen sich für sowas eigenen.

5. Das Verhältnis zur Natur

Kuba ist ein Schwellenland mit deutlichen Zügen von Entwicklungsländern. In solchen Ländern sind Naturschutz und Umweltbewusstsein ja nicht gerade eine Kardinaltugend. Hier gibt es zwar Mülleimer, aber die werden nicht wirklich benutzt und auch nicht wirklich geleert. Wir haben mal eine Müllabfuhr bei der Arbeit gesehen. Naja, es war hinterher deutlich weniger Müll auf der Straße. Von „Müll wurde abgeholt“ würde ich da allerdings noch nicht reden. Selbst die kubanischen Christen haben da nicht so das Bewusstsein. Als mir die Tüte unseres Lunchpakets wegflog und ich hinterher hechtete, um sie greifen, wurde ich nur erstaunt gefragt „brauchen wir die noch?“ Die entspannte Einstellung zum Müll sorgt eben dafür, dass der hier auch überall rumliegt und stinkt. Aber vielleicht bin ich an dieser Stelle auch einfach zu deutsch.

6. Das Essen

Ich habe es hier und da schon mal anklingen lassen. Das Essen in Kuba kann ganz gut sein, ist aber weit von dem entfernt, was man gesund nennt. Grundnahrungsmittel sind Reis mit Bohnen und Fleisch. Kuba bietet wohl auch einiges an Gemüse und Obst (das Angebot war am Anfang unseres Aufenthalts wegen des Hurricanes sehr begrenzt, wurde mit der Zeit aber breiter), aber das wird nicht wirklich gegessen.

Als Vegetarier hat man es hier schwer. Als Veganer würde man hier verhungern. Das liegt nicht so sehr an den Preisen und am Angebot. Natürlich ist das (gesunde, gute) Essen im Vergleich zu Deutschland sehr teuer und das Angebot ist deutlich begrenzter. Aber es gibt selbst unter den Adventisten weder ein Bewusstsein für Umwelt oder Gesundheit. Vielleicht entwickelt sich das noch. Aber die karibische Küche in anderen Ländern wie Jamaika oder der dominikanischen Republik sind ja auch deutlich bekannter. Doch wie ich bereits sagte: Man kann hier und da gutes Essen finden. Es bleibt aber: für das Essen kommt man nicht nach Kuba.

7. Das „wirkliche“ Kuba aus der Werbung

Weiß nicht was das sein soll…, das wirkliche Kuba. Was will man sehen, wenn man das wahre Kuba sehen will? Menschen, die in einem Sozialstaat verarmen? Marode Häuser, geflickte Autos, ungesunde Menschen und potentielle Flüchtlinge?

Kuba ist ein armes Land, das versucht in die Moderne zu kommen und sich dabei selbst im Weg steht und von anderen daran gehindert wird. Das ist das wahre Kuba. Und selbst mit Millionen Touristen mehr, wird es das auch noch eine ganze Weile sein.


Du bist von alledem nicht abgeschreckt und überlegst, trotzdem nach Kuba zu reisen? Ob Kuba für dich das geeignete Reiseziel ist, erfährst du hier.

Toronto (Tag 1)

Der erste Tag ist ein Tag der extremen Zahlen. Um vier Uhr stiegen wir in die Bahn, um zum Flughafen zu fahren. Dort müssten wir gleich das erste Unglück feststellen: Ladeadapter vergessen. Weil wir einen Großteil unserer Infos digital haben, brauchen wir Strom. Und jetzt kommt die nächste extreme Zahl: Ladeadapter können am Flughafen ganz schön teuer werden…

Der Flug nach Zürich war top! HH – ZUR in nur einer Stunde. Wo hat man das schon mal. Und Check-In vor Alpenpanorama ist auch klasse.

Dann Langstreckenflug nach Toronto. Die nächsten extremen Zahlen. Wir sind zwar um 9:30 Uhr losgeflogen und noch am selben Tag um 12 Uhr angekommen, aber dazwischen liegen fast 9 Stunden.

In Toronto erwarteten uns Schnee, Wolken und: -11 Grad. Das ist für die Jahreszeit wohl normal. Obwohl die Zeitungen sich über die Temperaturen der letzten Woche in Kanada lustig machen. Es gab wohl Gegenden hier, wo letzte Woche -29 Grad waren. Das waren wohl 6 Grad weniger als zur gleichen Zeit am Nordpol. Da sind wir mit -11 doch noch zufrieden. Obwohl die auch echt beißen.

Dann waren wir noch auch dem CN-Tower. Das mittlerweile zweithöchste Gebäude der Welt. Bei guter Sicht kann man von hier wohl auch die Niagarafälle sehen. Wie sahen zunächst nur Milchglas, also Schneedunst. Aber dann klärte das Wetter etwas aus und Toronto zeigte sich von seiner schönsten Seite. Ist wirklich eine schöne Stadt. Und ich habe noch nie so freundliche Leute getroffen, wie hier. Also wenn man Winter mag, dann empfehle ich die Stadt wärmstens. Wirklich klasse! Aber für mich war es leider nicht Liebe auf den ersten Blick… sie ist mir zu kühl.

Jetzt sind wir im Zimmer und warten darauf, dass jemand das Bad freigibt. Um 4 Uhr geht es wieder raus.

Trinidad (Tag 6 – Tag 14)

Tag 6 – Reise nach Trinidad

Morgens wieder ein tolles Frühstück… Nein, diesmal nicht. Unser Gastgeber hat mit dem Besuch von gestern eine kleine Party gefeiert. Um 4 Uhr morgens hörten wir, wie sie einen im Vollrausch hustenden mit etwas Musik beruhigen wollten. Tja, kein Wunder, dass es jetzt kein Frühstück gab. Zum Glück waren wir gestern einkaufen. Das half über den Tag. Aber zum Einsammeln des Geldes für das bisherige Frühstück war er aufgestanden.

Um 8 Uhr dann ins Taxi particulares. Die Fahrt sollte 3 bis 4 Stunden dauern, hat aber 5 gedauert. Aber kein schlechter Schnitt für 330 km mit Kaffeepause. Gefahren sind wir zu neunt in einem Ford der 50er Jahre. Der war für sein Alter erstaunlich gut in Schuss. Okay, die Motorhaube wackelte kräftig, das Lenkrad hatte ordentlich Spiel und keine einzige Anzeige im Auto funktionierte. Die Tanknadel war auf der Hälfte eingefroren, der Tacho bei Null, die Temperaturanzeige hatte keine Nadel und die Ölleuchte spielte Disko. Aber sonst… Lack war ordentlich, Scheiben auch, die Sitze waren aus neueren Modellen und die Lederverkleidung war auch in Ordnung. Und dass das Auto wie ein Traktor auf Speed klang, ist wohl normal.

Taxi colectivo innen

Die Landschaft veränderte sich dann tatsächlich. Kuba präsentierte sich plötzlich wirklich als tropische Karibikinsel, die sie ja tatsächlich ist.

Die neue Unterkunft ist ein Traum! Der neue Gastgeber begrüßte uns und erzählte uns gleich einmal, dass er großer Fußballfan ist. Die Deutsche Bundesliga wird hier sogar im Fernsehen übertragen. Barcelona mag er am liebsten. Aber gleich danach ist er BVB-Fan. Er zog sich dann schnell sein Deutschland-Trikot an (4 Sterne!).

Die Hündin der Hausherrin

Die Hausmutter, von ihm „Capo“ genannt, mag Tiere und hat zwei Chihuahuas. Drollige, kleine Viecher!

Außerdem ist hier noch ein anderer Deutscher zu Gast, der hier regelmäßig für mehrere Wochen herkommt. Der hat uns erst einmal eine kleine Führung gegeben und gezeigt, wie man hier auch günstiger an Essen, Transporte usw. kommt. Er kennt sogar unterschiedliche Wetterlagen, Entfernungen usw. Und empfahl uns diverse Vorgehensweisen oder Attraktionen. Andere Sachen empfahl er nicht. Auch gut zu wissen.

Am Abend sind wir dann bis zum Sonnenuntergang noch einmal mit den Fahrrädern zum Strand.

Das ist es also, das karibische Meer! Die Gewässer von Jack Sparrow, Christoph Kolumbus und der spanischen Schatzflotte. Dich werden wir kennenlernen.

Sonnenuntergang in der Karibik

Den Abend haben wir mit einem leckeren Essen ausklingen lassen:

Eine Entschädigung für das ausgefallene Frühstück.

Tag 7 – Fluch der Karibik

Die guten Sachen zuerst: Die erste Nacht in Kuba ohne Ohropax! Heute begannen wir den Tag mit Ausschlafen. Um 7:30 Uhr war Doreen wach. Es war etwas kühl, das heißt ein dünnes Laken reichte gerade noch so. Das lag wohl an der Kaltfront, die hier rüber zog. Aber über den Tag wurde es doch recht warm. Also wenn das eine Kaltfront hier ist, dann kein Problem…

Das Frühstück hier ist nicht ganz so gut, wie in Havanna. Aber es ist okay. Es gab Pfannkuchen, Käse, Marmelade, Kaffee, Spiegelei, Toastbrot und Saft.

Dann sind wir nach Trinidad. Wir wohnen ja nicht direkt in Trinidad, sondern Casilda. Eine schöne Altstadt, die unter UNESCO-Schutz steht. Es ist die älteste und gleichzeitig besterhaltene Stadt Kubas. Wir sind nur kurz durchgeradelt. Trinidad ist viel sauberer als Havanna. Viel sauberer!!!

Dann zurück zu unserer Unterkunft.

Und ab da wurde der Tag irgendwie komisch…

In der Mittagspause machten wir uns auf die Suche nach Essen. Früchte!

Aber hier in Casilda hatten alle Siesta. Also noch einmal nach Trinidad. Diesmal mit der Pferdekutsche. Auf dem Hinweg wurde Doreen komisch. Als wir da waren hatte sie ausgeprägten Durchfall. Das erledigte sich dann auf einer Restauranttoilette. Auf dem Rückweg bekam ich einen allergischen Anfall. Ich wusste, dass ich gegen Pferde allergisch bin. Aber so schlimm? Das hatte ich vergessen. Auf dem Hinweg stand der Wind anders. Da fiel das nicht auf. Wieder zurück packten wir unsere Sachen für den Strand und rauf aufs Fahrrad. Beim Aufsatteln habe ich dann nicht richtig aufgepasst. Und so rieb das Hinterrad an meinem Faltrucksack bis der durchgerieben war. Dem Inhalt ist aber nichts passiert. Am Strand angekommen, war die Sonne weg und es wurde kalt. Kaltfront… doch nicht so prall. Nachdem wir zurück waren hielten wir bei einem Restaurant, das uns empfohlen wurde. Gleich nach dem ersten Bissen wurde mir übel und ich suchte das Klo auf. (Die Erlebnisse sind echt! Kein Fake!!) das Klo hatte natürlich keine Klobrille. Na immerhin Klopapier und ich hab stramme Oberschenkel. Durchfall… Großartig! Naja gut. Bei Doreen hat ein Toilettengang auch gereicht. Ich betätige die Spülung. Nichts funktioniert! Ach du liebe Scheiße, was mache ich jetzt. Daneben steht ein Eimer mit Wasser. Ich kippe ihn ins Klo. Läuft nicht ab. Scheiß die Wand an, willst du mich verarschen? Daneben steht ein Gummipöppel. Ich gluckse im Klo rum. Nichts passiert. Ich fülle den Wassereimer und kippe es nach. Langsam sickert es ab. Aber es war Durchfall. Fein ist das nicht. Wahrscheinlich hat er daher keine Klobrille. Man soll nur klein. Ich nehme allen Mut zusammen und gehe zum Koch. Er sagt ich soll den Eimer nehmen. Ich kippe noch einmal nach und denke mir. Gut, ist nicht besser. Aber sein Problem… gibt es halt mehr Trinkgeld. Übers Essen wird es schlimmer. Ich will aber nicht noch einmal. Ich mache mit Doreen ab, dass ich zu unserer Unterkunft darf. Aber ich soll nicht länger als 15 Min brauchen. Hui, das war knapp. Ich erleichtere mich noch einmal und jogge zurück. Ich will ja die 15 Min einhalten. Und die frische Luft scheint mir gut zu tun.

Pollo rennt durch Casilda

Und dann kommt so ein blöder Hund; er findet wohl, ich bringe zu viel Unruhe ins Dorf und rennt grimmig bellend hinter mir her? Was ist nur mit diesem Tag los? Ich bekam ein wenig Schiss (schon wieder ^^) und lief schneller. Meine Apple-Watch meldet neuen Geschwindigkeitsrekord. Immerhin. Ich esse mit Doreen auf. Aber es wird immer schlimmer. Mir wird schwummrig vor Augen, ganz heiß, schlecht und dann… kommen unsere Nachbarn. Nette Konversation geheuchelt. Ich kann nicht mehr. Wir zahlen schnell und gehen. Ich werfe mich aufs Bett. Alles ist schlimm. Das ging schnell. Innerhalb von zwei Stunden von Bärenhunger bis Nahtod. Mir fällt ein, Meerschwein ist auch ganz plötzlich gestorben. Dann wird mir plötzlich ganz anders und es ist so weit. Ich kotze 10€ Vorspeise, Salat, Hühnchen mit Reis und Milchreis aus. Boah!!! Es geht mir gut!! Ich habe einen komischen Geschmack im Mund, aber ich kann klar denken. Na gut, ein leichtes Unwohlsein ist geblieben. Als ich mir alles noch einmal durch den Kopf gehen ließ, wurde mir schlagartig klar, was es war. Nicht Sonnenstich! Nicht Überanstrengung! (Bei stolzen 1500 Bewegungskilokalorien – ihr müsst noch den Grundumsatz addieren) Nicht das Wasser! Auf die Frage was denn die Pastete der Vorspeise sei, sagte er „alles – Pasta, Fleisch…“ ach du Scheiße! Reste!!! Wahrscheinlich die Reste unserer Vorgänger. Ja gut. Das hätte ich auch nicht essen sollen.

Letztlich stellte sich in der Nacht heraus, dass es ein ausgewachsener Sonnenstich war, der sich bei Doreen nur etwas milder zeigte.

Tag 8 – Tag des toten Samuel

Es war definitiv nicht nur das Essen. Ich lag den ganzen Tag darnieder gestreckt. Kotzen musste ich nicht mehr. Aber Durchfall war noch. Ich hab fast den ganzen Tag geschlafen. Abends bin ich aufgestanden, um mit Doreen Qwirkle zu spielen. Das hab ich auch durchgehalten. Aber danach musste ich mich wieder hinlegen. Essen könnte ich kaum. Nur so viel, dass der Magen nicht zu leer ist.

Doreen war vorsichtig, hat sich aber den Tag etwas netter vertreiben können. Sie war in Trinidad und hat dort ein paar Leute kennengelernt. Zum Beispiel Thomás. Er war zwischen 1986 und 1990 in der DDR, weil er dort eine Freundin hatte. Und dann machte er, wie er sagt, den größten Fehler seines Lebens: Er kam zurück.

Kutscher zwischen Casilda und Trinidad

Die Gastgeber gaben sich auch große Mühe ihr die Zeit zu vertreiben. So bekam sie eine Salsa- und Cha-Cha-Cha-Einheit von einer der Köchinnen.

Abends war sie auch noch einmal spazieren. Denn wenn man als Frau auf der Suche nach Komplimenten ist, muss man nur allein spazieren gehen. Man bekommt Wort gesagt wie „belleza“, „pretty lady“ und „Linda“. Aber das auf eine unaufdringliche Art und Weise. Die Kubaner machen Komplimente, gehen aber nicht zu weit.

Unsere Gastgeber waren sehr besorgt um mich. Sie fragten Doreen alle paar Minuten, wie es mir geht und um mich aufzuheitern hatte er sogar sein BVB-Trikot an.

Tag 9 – Wir machen ruhiger

Kaltfront: In Florida soll es schneien und auch hier mussten wir unsere Jacken rausholen. Aber warum sollte es uns auch besser gehen als unseren Freunden zuhause in Deutschland. Aber unser Gastgeber meint, das sei ein außergewöhnlich kalter Winter. Sonst sind es immer um die 30 Grad. Jetzt sind es nicht einmal 20.

Heute morgen ging es mir relativ gut. Nicht perfekt, aber ausreichend für einen sachten Ausflug. Weil ich nicht ganz so fit bin und weil es zu kalt für den Strand ist, fahren wir mit dem Taxi in die Berge. Was für eine Schrottkarre! Ich hab mich immer gefragt, wer unsere abgeranzten Autos vom Export denn überhaupt haben will. Jetzt weiß ich es. TÜV hat der schon ganz lange nicht mehr bekommen. Von den offensichtlichen Sprüngen in der Scheibe, Roststellen und abfallenden Teilen mal abgesehen, hat uns am meisten das Zündschloss beeindruckt: keines da. Der Fahrer schließt es über die Kabel kurz. Ist es überhaupt sein Auto? Dabei quillt immer leichter Rauch aus dem Armaturenbrett.

Auto mit Kabeln starten

Und zuverlässig ist es auch nicht. Es geht regelmäßig aus und dann startet er es vom Motor aus. Die Handbremse funktioniert auch nicht. Als unser Gastgeber sagte, er hole ein Taxi, dachten wir nicht an ein Ersatzteillager. So haben wir für 10 km Schotterpiste 40 Minuten gebraucht.

Unterwegs gab es aber einiges zu sehen. Man kann hier auch mit dem Pferd hoch. Manche machten das auch. Die Gruppe Reiter vor uns hielt erst einmal an und köpfte eine Flasche Alk. Erst danach ließen sie uns durch.

In den Bergen selbst sind wir in ein Naturschutzgebiet und dort an einen Fluss entlang bis zu einem Wasserfall. Dort konnte man auch Baden. Doreen hat das natürlich gemacht. Ich war noch etwas vorsichtig. Doreen fand dabei eine Höhle und schwamm hinein. Fischen schwammen hier auch. War ein schöner Sabbatspaziergang.

Wasserfall bei Trinidad

Die Natur hier in den Bergen ist sehr schön, so wie man sich Tropen mehr oder weniger vorstellt. Doreen würde sagen, wie im Harz.

Danach sind wir noch nach Trinidad und haben uns mit Internet und Essen versorgt. Die Reiseführer sagen immer, dass man fragen soll wer der letzte ist und sich dann hintenanstellt. Das mache man hier so in Kuba. Nein, macht man nicht! Die Kubaner drängeln an den Touristen vorbei, was das Zeug hält. Und passt man rechts auf, gehen sie links vorbei. Diese Schlingel!

Dann sind wir in unsere Unterkunft zurück.

Auf dem Rückweg haben wir Wolken und Nebelschwaden von Norden her langsam über die Berge kriechen sehen. Sah sehr romantisch aus, hat aber vermutlich noch mehr Kälte gebracht.

Radweg von Casilda an die Küste

Wahrscheinlich aufgrund der Ermattung von gestern noch, hatte ich heute ein wenig Heimweh. Ich sehnte mich nach meinem weichen Bett, nach Essen mit meinen Gewürzen, wo ich keine Angst haben muss und leckerem Trinkwasser.

Abends haben wir noch einmal Wetterbericht gesehen. Maximal 22 Grad. Und für die nächsten Tage ist Regen angesagt. Uff! Erst einmal schlafen gehen.

Tag 10 – Besuch bei der Familie

Heute ist Sonntag und wir wollten eigentlich die Baptistenkirche besuchen, die genau gegenüber von unserer Unterkunft ist. Aber der Pastor ist gerade bei einem Kongress und deshalb ist kein Gottesdienst. Nur eine Frau war da, um allen zu sagen, dass nichts läuft. Also brachte uns die Frau kurzerhand zu den Adventisten. Die bauen gerade eine eigene Gemeinde.

Kirchenrohbau

Das Gemeindegebäude und das Wohnhaus für die Pastorenfamilie sind noch im Bau. Wobei letzteres wahrscheinlich nur für uns im Bau befindlich aussah. Wir haben gefragt, ob wir mithelfen dürfen. Der STA-Pastor von Trinidad war Bauleiter. Die STA-Pastorin von Casilda (unserem Dorf) war Köchin. Doreen und ich schleppten Steine von A nach B und halfen dann die Stahlstreben für den Stahlbeton zu biegen. Die Stahlstreben werden auf das Gebäude gelegt und dann mit Zement aufgefüllt. Alles Handarbeit! Und wir waren dabei.

Bau in Kuba

Dann wurden wir zum Mittag eingeladen. Das war reichhaltig!!! So viel haben wir hier noch nie vorgesetzt bekommen. Mittagessen brauchen wir nicht mehr.

Wir haben die Pastorin gefragt, ob sie etwas lernen musste, um Pastorin zu werden. Sie sagte, dass sie gut mit Menschen umgehen kann. Das reicht. Ich habe den Eindruck unser Bibelgespräch hat hier eine deutlich wichtigere Bedeutung als bei uns. Aber ob das auch genutzt wird, weiß ich nicht. Immerhin halten sie sich an die gängigen Adventistensachen: kein Schwein, kein Schmuck, kein Alkohol, Sabbat halten und sie opfern keine kleinen Piepmätze. (Wir haben uns lange gewundert, warum hier so viele Leute mit leeren und halb vollen Vogelkäfigen durch die Gegend gehen. Da sind auch nur so kleine Dinger drin. Unsere Adventistenfamilie erzählte uns, dass man damit zaubert. Dafür muss man sie opfern. Tja. Arme Dinger!)

Als Pastor / Pastorin wird man zwar bezahlt, aber es reicht nicht. Man muss noch einen anderen Beruf ausführen. So ist das Leben…

Nach dem Mittagessen haben wir nach gleichem Liedgut gesucht. Zwei Lieder haben wir gefunden, bevor wir bei Weihnachtsliedern landeten. Die sind überall gleich.

Abends sind wir mit dem Pastor aus Trinidad zu seiner Gemeinde gefahren. Er zeigte uns alles: Gemeindesaal und Dachterrasse, Kinderraum, Gästezimmer, Wohnung des Pastors, Fruchtbäume (Avocado, Mango, Guave usw.) und natürlich die Küche fürs Potluck!

Ein stattliches Anwesen! Kuba hat 20000 Adventisten. (Deutschland ca. 35000) Da lohnt sich das auch. Er war sogar so nett und machte eine kleine Stadtführung mit uns. Am Ende fanden wir einen Bankautomaten, den wir mittlerweile bitter nötig hatten, und Internet. Aber danach fuhr uns nichts mehr zurück. Wir mussten gehen. Zum Glück geht das heute wieder.

Wir fanden es klasse sofort bei fremden Menschen sofort als Familie aufgenommen worden zu sein. Das verbindet doch ungemein. Und wir haben schließlich Steine schleppend unsere Solidarität bekundet. Am Ende haben wir auch noch ein bisschen Geld dagelassen. Sie wollten es erst gar nicht annehmen. Aber es bleibt ja in der Familie…

Tag 11 – zwischen schöner Natur und schlechter Laune

Heute hat Juan-Carlos, unser Gastgeber irgendwie schlechte Laune. Wir haben ihn nach dem Bus nach Ancón gefragt. Der ist eigentlich nur für die Einheimischen. Aber der Busfahrer findet es nicht schlimm, wenn sich ein paar Touristen mit harten Dollars „organisieren“ . Juan-Carlos findet das trotzdem nicht gut. Wir haben den Eindruck, dass er zu argumentieren versucht, dass wir den teuren Touristenbus nehmen sollen. Aber letztlich ergießt er sich in Tiraden über das sozialistische System. Jetzt haben wir auch schlechte Laune. Wir nahmen das Rad. Deutlich teurer, dafür den ganzen Tag und das Geld geht an Juan-Carlos. Soll er zufrieden sein. Dabei ist er einer derjenigen, dem es hier mit großem Abstand sehr gut geht, verglichen mit den Adventisten hier im Ort.

Auf den Fahrrädern sind wir erst einmal an der Baustelle der Kirche vorbei und haben uns für den nächsten Tag verabredet und auch noch Pesos eingetauscht. Wir gaben ihnen 10 CUC (hiesiger Dollar) und bekamen dafür 150 Peso. (Eigentlicher offizieller Wechselkurs 1:25). Erst zögerte der Pastor, dann nahm er uns zur Seite und erklärte uns, dass der Wechselkurs eigentlich ein anderer sei, als wir jetzt gehandelt haben. Wir sagte nur: „Wissen wir. Danke für deine Hilfe!“ er freute sich. Wir stecken dreimal lieber ihm das Geld zu als es unserem Gastgeber der reich genug ist.

Dann sind wir mit dem Rad nach Ancón. Das ist Kubas zweit meist gehypter Strand. Ein Must-See auf jeder Reiseempfehlung. Aber wir waren ehrlich gesagt etwas enttäuscht. Der Strand der Einheimischen in Havanna hat uns mehr gefallen. Wir haben uns dort gar nicht erst niedergelassen und sind gleich zurück. Die anderen Strände in der Nähe sind günstiger und genauso gut. Dort haben wir die Mittagshitze unter einem Sonnenschirm und im Wasser verbracht.

Kleiner Strand neben Ancon

Boah, ist das heiß heute! Aber wir wollen uns nicht beschweren. Wir wissen ja, das Wetter kann auch anders. Wir sind ja nicht abergläubisch und die armen Vögel tun mir leid. Also lieber nichts heraufbeschwören.

Als es etwas weniger heiß geworden ist, sind wir wieder auf die Räder, haben eine große Runde an den Korallenriffen und den Bergen vorbei gemacht und sind schließlich über Trinidad zurück zu unserer Casa. Alles in allem sind wir etwa 30 km auf dem Fahrrad unterwegs gewesen, heute.

War aber schön! Unsere schlechte Laune haben wir bei Joachim ablassen können. Er ist Langzeitgast bei uns und hilft Ihnen mit dem Internet. Dafür darf er vermutlich ein paar Vorzüge genießen.

Den Abend haben wir im Schatten bei Spielen und Erzählungen ausklingen lassen.

Tag 12 – Pirates of the Caribbean

Heute sind wir früh los, um mit dem Katamaran zum Schnorcheln zu fahren. Die Fahrt zur Schnorchelstelle dauerte 2 Stunden und wir hatten optimales Wetter. Es war angenehm warm, aber bewölkt genug, sodass es nicht zu heiß wurde. Wir schnorchelten und fanden eine deutlich heilere Korallenwelt vor als in Ägypten, wenn auch nicht so farbenfroh und bunt. Die Fische waren gut drauf und posierten, die Korallen auch. Wir haben ein paar Aufnahmen gemacht, die sich Kapitän Nemo wohl in seinen Salon hängen würde.

Unterwasser im Karibischen Meer

Danach sind wir weitergefahren zu einer Insel. Hier haben wir Paella gegessen. Das ist Reis mit Zeug drin. Fragt mich nicht was, ich will es gar nicht wissen. War okay. Aber fürs Essen fährt man nicht nach Kuba, das wissen wir ja bereits. Das besondere an der Insel waren neben dem wirklich paradiesischen Aussehen, das jeden Reisekatalog ehren würde, die Tierwelt.

EinsiedlerkrebsEinsiedlerkrebse soweit das Auge reicht. Die meisten recht klein. Aber es sind auch ein paar größere dabei gewesen. Außerdem gab es so komische Tiere, die wir schon mal im Zoo gesehen haben.Kleines Biest Aber wir wissen beim besten Willen nicht, wie sie heißen. Wombatze? Mule? Sie sind groß wie eine Katze, sehen aber eher wie Meerschweinchen aus, aber mit längeren Beinen. Wir haben sie Ratten genannt, weil sie zwar ganz putzig aussehen, aber einen frechen bis garstigen Charakter haben. Besonders gegenüber den Leguanen!

LeguaneJa, hier gab es Leguane! Wie geil ist das denn? Richtig viele! Große, kleine, dicke, dünne, scheue und kuschelige. Richtig gelesen! Wir konnten sie tatsächlich streicheln. Dabei haben sie genüsslich die Augen zugemacht und gechillt. Doreen und ich fühlten uns mit denen irgendwie seelenverwandt. Ich glaube wir gehören zu diesen Reptiloiden, von denen man im Internet lesen kann.Leguan streicheln

Nur hochnehmen durfte man sie nicht. Aber wer lässt sich schon gern auf den Arm nehmen. Dennoch: Geile Tiere!

Leguan

Am Abend sind wir noch mal zu unserer adventistischen Familie. Dort haben wir etwas zu essen bekommen und uns dann gemeinsam den Abend vertrieben.

Tag 13 – der Alltag

Uns wurde gesagt, dass es hier ganz selten regnet. Wenn, dann mal ein paar Tröpfchen. Letzte Nacht hat es wie aus Kübeln geregnet. Die ganze Nacht. Aber am Morgen klarte es auf und es wurde ein schöner Tag. Trotzdem ist wegen des Regens in der Nacht die Schule ausgefallen. Wir haben aber nicht verstanden, warum das ein Grund für Schulfrei sein soll.

Regenwolken

Heute hatten wir den Alltag der Kubaner etwas mehr im Fokus:

Auf unserem Weg in die Stadt haben sind wir an einen Kutscher geraten, der uns partout über den Tisch ziehen wollte und auf sein Recht bestand von uns mehr zu bekommen als von allen anderen. Tja, so ist das, wenn man hier wie ein Tourist aussieht. Dabei fühlen wir uns mit unseren Flipflops, den Strohhut aus dem Souvenirgeschäft, dem Fotoapparat um den Hals, Rucksack auf dem Rücken und der Sonnencreme auf der Nase eigentlich ziemlich inkognito. Die müssen einen siebten Sinn für Ausländer haben.

Aber die Aussicht vom Kirchturm in Trinidad lohnt sich wirklich

Er hat am Ende mehr bekommen als er verdient hat, aber weniger als er wollte. Der hat vielleicht geschimpft! Wir waren schon 100 m weg und er schimpfte noch. Wir dachten erst, dass er sehr unausgeglichen ist. Aber bei näherer Betrachtung schimpfen insgesamt Kubaner ausdauernder als andere. Als wir die Straße entlanggingen, sahen wir eine Frau mit einem Kleinkind. Das Kleinkind griff bei einem Haus in das Gitter und wurde sofort von einem Hund angekläfft. Aber nun fing nicht das Kind an zu schreien, auch nicht die Mutter. Die Frau in dem Haus beschwerte sich sehr ausdauernd. Mutter und Kind müssten erst 60 m weiter in eine Straße abbiegen, damit die Frau Ruhe gab und nicht die ganze Straße zusammenranzte. Wärme entspannt wohl nicht automatisch.

Abends waren wir wieder bei unserer Lieblingsfamilie. Wir haben sie gefragt, wie sie sich normalerweise die Abende um die Ohren schlagen. Sie meinen, dass sie dann zu Freunden gehen und über die Bibel reden. Man muss wissen, dass sie ein ganz anderes Einkommensniveau sind als unsere Gastgeber. Der Fernseher rauscht, weil die Antenne schlecht ist, die fünf Köpfe wohnen in 4 Zimmern, eines davon ist die Küche und eines ist ein Flur. Gegessen wird draußen, Fernsehen ist im Flur möglich (Bzw. Der Fernseher steht im Flur und alle sitzen draußen und schauen rein.)

Als ich mich dann mit den anderen vor den Fernseher setzte um Baseball (Nationalsportart Kubas) zu sehen, hat Doreen dem jüngsten Sohn Deutsch beigebracht. Der Kerl hat eine Ausdauer!!! Unglaublich! Mal sehen wie viel er morgen behalten hat.

Diese Familie ist uns wirklich sehr ans Herz gewachsen. Wir Ihnen auch. Wir sollen im Sommer wiederkommen, wenn die Kapelle steht. Hach…

Tag 14 – ein historischer Tag

Seit gestern Abend gibt es Internet hier im Ort. Internet heißt, dass auf dem

Platz in der Mitte WiFi ausgestrahlt wird. Man kann das WiFi dann stundenweise kaufen. Bisher war der Park ein Ort des sozialen Zusammenseins. Man hat uns schon prophezeit, dass sich das jetzt ganz schnell ändern wird. Auf der einen Seite ist es schade, weil dadurch eine ganze Menge sozialer Kultur verloren gehen wird. Auf der anderen Seite sind wir nun einmal in einer modernen Welt und wer will es ihnen nicht gönnen? Dennoch: der Alltag, wie wir ihn hier erlebt haben, wird sich schnell ändern.

Wir haben heute eine ausgedehnte Fahrradtour gemacht. Alles in allem 50 km. Unterbrochen war die Fahrt von einer Siesta zur Mittagshitze.

Begegnung auf den Weg

Die Fahrt war mehr oder weniger freiwillig. Eigentlich wollten wir zum Strand. Das haben wir auch gemacht und es ging genauso lange gut, dass Doreen schwimmen gehen konnte. Dann kam ein Kubaner und wollte Geld für das Aufpassen auf unsere Fahrräder. So ist das hier überall. 1€ wollen sie dafür pro Fahrrad. Erst haben wir nach einem kostenlosen Stand gesucht. Aber nichts zu machen. Das ist hier überall so. Hätten wir jedes Mal das Geld gezahlt wären wir hier locker einen Zehner los für nichts. Als wir gegen Mitte der Tour auf einem kleinen Hügel anhielten und die Aussicht genießen wollten, kam wieder einer. Da war ich dann so angenervt, dass ich etwas ruppig reagierte. Er gab dann Ruhe als wir versprachen in 10 Minuten weg zu sein.

Ich hoffe nur Trinidad ist so. Wenn sich das Bild nicht demnächst ändert, dann werde ich Kuba in sehr sehr schlechter Erinnerung behalten.

Abends haben wir uns noch einmal rührselig bei unserer adventistischen Familie verabschiedet. Danach waren wir hier in der Casa und waren zum Abschiedsessen eingeladen. Es gab einen riesigen Rotbarsch, den wir auch zu sechst nicht geschafft haben. Dazu Youka (ich habe es bestimmt falsch geschrieben), Reis, Salat und Kochbananen. Erstaunlich wie abwechslungsreich man mit immer den gleichen Zutaten kochen kann. Wenn man mit Kubanern privat zusammen ist, ist es doch ganz nett. Man sollte nur nicht den Fehler machen und Tourist sein.

Morón (Tag 15 – Tag 19)

Tag 15 – Reise nach Morón

Um 8:00 Uhr ging es nach Morón. Wir hatten lange vor der Reise Kontakt zu einem jungen Mann aus dieser Stadt aufgenommen und Infos abgegriffen. Den besuchen wir jetzt. Er hatte und auch schon immer die letzten Tage in Trinidad angerufen. Er sagte immer, er sei schon sehr aufgeregt.

Die Fahrt führte uns anfangs durch sehr schöne Natur. Der größte Teil von Kuba ist sehr platt. Aber um Trinidad herum gibt es Berge. Das war sehr schön! Grüne, steile Hänge wechseln sich ab mit Palmenfarmen und Wiesen mit braunem Gras. Die Berge sehen nicht aus wie in den Alpen, eher wie braune Zuckerhüte.

Morón ist deutlich anders als Trinidad. Hier wirkt es eher nach normalem Kuba, ähnlich wie Havanna. Wir kamen an einer Fabrik mit Näherinnen vorbei und auch diversen anderen Geschäften. Hier leben und arbeiten endlich mal Kubaner, die nicht in erster Linie von uns leben wollen. Das ist richtig angenehm. Gut, dass Trinidad nicht unser einziger Eindruck von Kuba ist.

Am Abend auf der Dachterrasse unserer Casa wurden wir Zeugen eines besonderen kubanischen Hobbies. Hier werden Tauben dressiert. Die Leute sitzen mit einer Trillerpfeife ausgerüstet auf dem Dach ihres Hauses und geben über diverse Pfifffolgen Befehle an die Tauben. Diese setzen die Pfiffe dann in Bewegungen um. Sie starten und landen auf Kommando, fliegen Kreise, Achten oder Strecken. Sie wechseln die Richtung. Sie fliegen wohin und wie der Dompteur es haben will. Unsere Gastgeberin hat erzählt, dass die Tauben sogar als Brieftauben eingesetzt werden, indem man sie von Stadt zu Stadt schickt. Ich hätte nie gedacht, dass man sowas mit Tauben machen kann.

Dachterrasse Kuba

Nach Sonnenuntergang sahen wir Wetterleuchten am Horizont. Sehr romantisch.

Tag 16 – Gottesdienst mit Leo

Leo ist begeisterter Adventist und wir besuchten ihn im Gottesdienst. Der hielt ein paar spannende Sachen für uns bereit. Zum einen dauerte er 4 Stunden. Wobei das wohl auch für diese Gemeinde außergewöhnlich lang war und alle hatten hinterher kräftig Hunger. Ein Adventistischer Gottesdienst besteht aus zwei Teilen, die von einer Pause getrennt werden. Im ersten Teil gibt es ein Bibelgespräch, wo weltweit über ein bestimmtes Thema gesprochen wird und im zweiten Teil folgt die Predigt. Doch die Musik ist ganz anders als man sie in einem Gottesdienst erwarten würde. Es gibt zwar ein Piano. Aber das ist grässlich verstimmt. Macht aber nichts, gesungen wird sowieso vom Beamer.

Flügel antik

Die Musik wird über das abgespielte Video eingespielt. Das führt je nach Videoqualität zu außergewöhnlichen und zweifelhaften Hörproben. Am Anfang ist die Musik lebhafter. Zur Predigt hin ist sie ruhiger. Das ist Absicht, denn man soll in eine Gebetshaltung kommen.

Predigt und Bibelgespräch konnte ich von der Form her nicht wirklich auseinanderhalten. Kann aber auch daran liegen, dass dem Bibelgespräch selbst eine Zusammenfassung des Bibelgesprächs von letzter Woche vorgelagert war. Die war sehr ausführlich. Insgesamt ist der Gottesdienst sehr kontemplativ. Ich habe irgendwann aufgehört die Gebete zu zählen. Oft knieten wir uns hin, manche beugten sich tief nieder zur Erde. Gleichzeitig ist es extrem laut. Manche Lieder wurden wiederholt und dann einfach lauter. Auch alle anderen Leute auf der Bühne waren laut. Sehr laut!

Danach waren wir bei einer Familie eingeladen. Da waren auch noch zwei Kanadier. Wir hatten eine ganze Menge Spaß! Am Abend sind wir noch einmal in die Kirche zu einer Kostümparty. Die haben sich mit ihren Kostümen echt auf Faschingsniveau bewegt. Viele waren selbst gebastelt und enorm gut. Was uns etwas überrascht hat, war die Art der Kostüme, die hier bei einer kirchlichen Veranstaltung möglich waren. Natürlich gab es Clowns, Prinzessinnen, Tieren, Feen, man ist als anderes Geschlecht gegangen usw. Aber es gab auch eine große Anzahl an Hexen, Zombies und sogar der Tod kam vorbei. Das kam für mich etwas überraschen, wo wir doch in einer christlichen Kirche sind. Aber im Vordergrund stand auch eindeutig der Spaß. Also wollen wir mal nicht kleinlich sein.

Kuba Kostümparty

Und die Stimmung war ja auch sehr gut. Man hat die Kostüme bewundert und sich an der Gemeinschaft gefreut. Dafür hat es auf jeden Fall getaugt! Und vielleicht erregt sowas auch mehr Aufmerksamkeit als der Gottesdienst. Wir hatten nämlich tatsächlich Zuschauer aus der Nachbarschaft.

Tag 17 – Leos Geburtstag

Um 6:45 Uhr trafen wir uns mit Leo und sind kurz darauf in das Auto nach Cayo Coco gestiegen. Cayo Coco ist eine Insel, die ausschließlich für Touristen ist. Kubaner dürfen sie nicht betreten, wenn sie nicht dort arbeiten. Leo hat und genutzt, um hier seinen Geburtstag zu feiern. Wir waren quasi seine Eintrittskarte.

Nach cayo coco

Der Strand hier ist wirklich schön. Weißer Sand, türkises Wasser und Flamingos. Leider gibt es hier keine Flamingos. Die sind alle im Hurricane draufgegangen. Die Population muss sich erst wieder erholen. Und das Wetter war auch nicht so umwerfend schön. Es war wolkig und sehr windig. Das Wasser war aber warm und schön. Nur am Strand war es stellenweise kalt. Dafür haben wir keinen Sonnenbrand bekommen.

Bei diesem Trip haben wir die Kanadier besucht, die wir gestern getroffen haben. Sie sind hier im All-inclusive-Hotel untergebracht und haben uns sogar Essen vom Buffet geholt. Leo ist ausgetickt vor Freude. Eigentlich ist es ihm verboten solche Resorts zu betreten und wir haben ihn einfach als Italiener ausgegeben. Als die Kanadier Essen holen waren, hat er sich aufs Bett gesetzt und als Tourist posiert. Für ihn ist das eine komplett andere Welt. Für ihn war das auf jeden Fall eine außergewöhnliche Erfahrung. Für uns war es einmal mehr die Erinnerung daran, was wir zuhause alles an Freiheiten und Luxus genießen können.

Pelikan Kuba

Die Kanadier sind großartig! Nicht nur, dass wir in Toronto festgestellt haben, dass Kanadier die nettesten Leute der Welt sind. Wenn man Kanadier und Afrokaribiker miteinander kreuzt, dann erhält man nicht nur sehr nette, sondern auch sehr unterhaltsamere Leute. Sie haben uns über Stunden mit einer witzigen Story nach der anderen unterhalten. Es war ein Genuss sie kennenzulernen. Vielleicht bleiben wir mit Ihnen in Kontakt. Das Internet ist da zwar sehr wankelmütig. Aber es wäre schon schön…

Und irgendwie sehnten wir uns plötzlich danach. Ein wenig Heimweh?

Tag 18 – Morón

Den Tag begannen wir gechillt mit Ausschlafen. So der Plan. Doreen hatte aber Hummeln im Hintern und so mussten wir kurz nach 10 dann doch abgefrühstückt und fertig losziehen. Als erstes suchten wir eine neue Casa in der Nähe von Havanna im Internet. Danach nervten wir Leo in seinem Souveniergeschäft. Wir sahen wie er mit Touristen umgeht, wie er leere Zeit totschlägt und wie er Freunde und Bekannte trifft. Sie als Laden bezahlen Reiseführer dafür, dass die mit Reisegruppen vor ihrem Geschäft stehen bleiben und etwas zur Historie erzählen. Die Chance, dass dann Leute den Shop betreten und etwas kaufen ist höher. Leo hat uns auch die Zeichen erklärt, an denen er Touristen unterscheidet: Kanadier sprechen flüssiges Englisch und sind dicker als andere. Briten reden auch flüssig, aber anders und sind schlanker. Franzosen hört man überall raus. Japaner und Chinesen muss man nicht erklären und dann kommen die Deutschen: Groß, blond, Klischee. Doreen könnte er ohne weiteres nicht einordnen. Je nach Ethnie muss er unterschiedliche Preise sagen. Japaner wollen mindestens 75% Rabatt erhandeln. Kanadier geben sich mit 50% Nachlass zufrieden. Und Deutsche hören den Preis und sind zufrieden oder eben nicht, die handeln nicht. Seine Sprachkenntnisse und die Lust neue Menschen kennenzulernen, lassen ihn gut geeignet sein für den Job.

Trotzdem kommt er uns manchmal merkwürdig vor und wir können ihn nicht richtig einschätzen. Nachdem er Arbeitsschluss hatte, sind wir mit dem Zug eine Station gefahren und dabei an richtig, richtig Armen Kubanern vorbeigekommen.

Zug in KubaWir stiegen aus und suchten ein Restaurant für uns. Natürlich haben wir ihn eingeladen. Ein reiches Essen für drei Personen kostete uns 16,50 €. Aber er kann sich sowas nicht leisten. Er verdient 20€ im Monat. Beim Essen ist er richtig sentimental geworden. Ich glaube er mag uns wirklich. Aber auf der anderen Seite will er sich durch uns exklusive (!) Vorzüge sichern. Als wir dann der Gastgeberfamilie vom Gottesdienst etwas Gutes tun wollten, indem wir etwas in ihrem Geschäft für mehr Geld kauften, hat er uns davon abgehalten. Er machte uns nur den billigen Preis und suggerierte, dass wir lieber ihm noch etwas Gutes tun sollten.

Den Abend über spielten wir Domino. Wie kann man ein derart simples und überschaubares Spiel nur so strategisch und durchdacht spielen? Ich würde felsenfest behaupten, dass es um Glück geht. So ein Unsinn!!! Ich habe kein Land gesehen. Doreen hat dieses Mal hin und wieder gewonnen. Aber eigentlich hat immer die Tochter unserer Gastgeber gewonnen. Es geht mir nicht in den Kopf. Sie haben mir ein paar Strategien verraten. Die habe ich auch verstanden. Aber letztlich hat man doch nur die Steine, die man hat!?! Hexerei!!!

Alles in allem war es ein schöner Tag. Langsam denken wir schon an das Ende. Es wirkt schon nahe. Dabei ist es noch mehr als eine Woche…

Tag 19 – Krokodile

Zwei gute Nachrichten heute:

Erstens, wir haben eine Fahrgelegenheit in Richtung Havanna. Eigentlich wollten wir hier am Montag abreisen. Aber wir haben uns dann doch entschieden ein bisschen länger zu bleiben, um Zeit mit Leo zu verbringen und weil die Leute hier ziemlich nett sind. Trotzdem haben wir es verpennt uns um ein Taxi zur nächsten Unterkunft zu kümmern. Zum Glück haben wir durch unseren verlängerten Aufenthalt einen Italiener kennengelernt. Der wohnt gerade bei uns und wollte eigentlich nach Cayo Coco weiter. Aber ihm ist es hier zu wolkig und kalt. (Für uns genau richtig.) Also will er morgen mit uns in die gleiche Richtung. Er spricht sehr gut Spanisch , denn da wohnt er und hat Erfahrung. Er spart mit uns Geld und wir mit ihm. Wunderbar! Die Strecke ist sehr weit und kann uns ganz schnell mehrere Hundert Euro kosten.

Zweitens, die Krokodile waren lieb zu uns. Wir sind zu einer Krokodilfarm gegangen. Die Krokodile sind aber eher unspektakulär gewesen. Lagen nur rum und haben sich sehr, sehr sparsam bewegt. Nur das kleine Krokodil, das wir auf den Arm genommen haben, war nicht ganz so ruhig. Aber letztlich schien es doch irgendwie entspannt zu sein. Krokodile sind schon witzige Dinger. Einen Killerblick, aber können sich kaum aus dem Wasser schleppen. Gut, wenn sie Beute wittern und jagen, können sie auch schneller. Lediglich ein einziges Wanderkrokodil war dabei. Es legte sich alle paar Minuten an eine andere Stelle. In Kuba gibt es wohl tatsächlich wilde Krokodile. Wo, wusste aber keiner. Dann sind es wohl nicht mehr viele.

Die 22 km hin und zurück sind wir hauptsächlich gegangen. 5 km haben wir geschummelt, indem wir uns von einem LKW haben mitnehmen lassen. Die Kubaner, die uns auf dem Weg mit Auto, Taxi, Pferd oder Fahrrad begegnet sind, haben uns mit unverkennbaren einheimischen Handzeichen des Friedens auf dem Weg begrüßt. Ein Zeichen geht so: Man führt den Zeigefinger zum Kopf, meist der Stirn, und führt damit eine kreisende Bewegung aus. Eine andere ist, dass man einem die Rückhand entgegenstreckt; alle Finger außer dem mittleren sind dabei zur Handinnenfläche gebeugt. Warum die Kubaner derart positiv auf unsere Wanderung reagiert haben, wissen wir nicht. Wahrscheinlich respektieren sie Sport und Bewegung in einem hohen Maße. Eine andere Theorie ist, dass sie uns gerne näher kennengelernt hätten, indem sie uns mitnehmen. Doch meist lehnten wir ab.

Straße in Kuba

Abends kam Leo uns besuchen. Wir hatten eine gute Zeit zusammen. Ich glaube langsam werden wir warm. Zu schade, dass es der letzte Tag mit ihm war. Obwohl… Man sieht sich immer zweimal im Leben. Er spart auf einen Pass hin und findet sicher eine Möglichkeit mal rauszukommen.

Boca de Camarioca (Tag 20 – Tag 21)

Tag 20 – Fahrt nach Boca de Camarioca

Wir brachen um 8:00 Uhr auf und traten die Reise in Richtung Havanna an. Es war früh genug, um zu sehen, wie die ganzen Schülerinnen und Schüler in die Schule gingen. Gestern war wieder Regenfrei. Dabei hatte es nur in der Nacht geregnet. Naja, Hitzefrei haben sie hier in der Regel wohl nicht. Da muss es dann wohl Regenfrei geben.Straßenverhältnisse Kuba

Die Fahrt führte uns durch den Norden unweit der Küste. Hier ist die Natur deutlich tropischer, als wir vorher gesehen haben. Es gab ein paar Hügel, die mit Palmen, Farnen und anderem grünen Gewächs. Zwischendurch immer mal wieder ein Baum der auch gut als Behausung für Familie Robinson dienen könnte. Über den Hügeln liegen schwere Nebelwolken. Das nennt man hier Kaltfront. So richtig heiß war es hier das letzte Mal am Tag 15. Da drückte die Hitze schon sehr. In den Tagen danach war es eigentlich immer bewölkt. Für uns gar nicht so schlecht, weil es uns sonst zu doll wäre. Aber die Kubaner finden das zu kalt. Die laufen in Jacke rum, wir im T-Shirt. So unterschiedlich sind die Empfindungen…

Kubaner unterwegs

Die Straßenverhältnisse müsste ich eigentlich auch mal beschreiben. Da fällt mir aber auch nur ein Vergleich ein: Malta!

Im Gegensatz zu den Routen, die wir vorher gefahren sind, führte unsere heute über das Land. Hier haben wir zum ersten Mal Hausschweine gesehen, also Schweine, die wie Hunde gehalten werden. Schwein ist in Kuba sehr beliebt. Es wird nicht nur das Fleisch gegessen, sondern auch die Haut frittiert und das Fett zum Braten. Aber nicht, weil Schwein eine leckere Köstlichkeit ist, sondern weil es billig und verfügbar ist. Weil wir aber immer vegetarisch bestellen, wird unser Essen immer mit Pflanzenöl gemacht. Haben wir aber erst später erfahren.

Unser Taxifahrer hat uns aber nicht nur übers Land gefahren, sondern auch einen besonders auffälligen Service angeboten. Er machte Pausen auf Wunsch, verpflegte uns mit Keksen fuhr mit uns zu einem See mit Flamingos und hielt sogar extra an, um für uns mit seinem Rambomesser Zuckerrohr von der Plantage zu ernten. Geiler Typ! Aber vielleicht haben wir das auch dem Italiener zu verdanken. Der hat über Stunden hinweg mit dem Fahrer gequatscht und eine richtige Beziehung zu ihm aufgebaut. Manche Leute können das halt…Flamingo Wasser Kuba

Tag 21 – Varadero

Varadero ist die Pilgerstätte für Kuba-Touristen schlechthin. Es ist eine Landzunge, die sich ins Meer legt und einen 20 km langen Strand besitzt. Das wollten wir sehen. Wir wollten aber billiger nächtigen und sind in Boca de Camarioca untergekommen.

Boca de camarioca cubaDas ist ein kleines Nest 10 km weiter in Richtung Havanna. Unsere Gastgeber sind sehr nett. Überhaupt scheinen die Leute netter zu werden je weiter man von den Touristen-Hot-Spots entfernt ist. Wir haben gelernt wie man Domino spielt, wurden reich verköstigt und haben ein Zimmer auf der Dachterrasse mit Blick aufs Wasser. Und das alles für 13€ die Nacht. Die billigste Unterkunft in Kuba, die wir bisher hatten.

Bevor wir nach Varadero sind, haben wir den Einheimischenstrand besucht, der 300 m von unserer Casa entfernt ist. Die Wellen gingen hoch und wir spazierten ein Stück.

Strand boca de camarioca Kuba Dabei kamen wir an einer Militärbasis und einem Ölfördergerät vorbei. Gibt es Öl auf Kuba? Oder was fördern die da? Die Soldaten jedenfalls machen sich nicht tot. Ist schon die zweite Basis an der wir während unseres Urlaubs vorbeikamen. Und überall das gleiche Bild: entspannte Soldaten, die in Zeitlupe die Zeit totschlagen. Meist durch stehen, kochen oder quatschen.

Danach Varadero. Ist langweilig. Der Strand ist tatsächlich lang und breit.

Varadero Strand Kuba WinterWenn man in der Sonne liegen will, ist es ja ganz nett. Aber sonst… alles ist gleich doppelt so teuer und man muss eine Weile suchen, bis man einen ehrlichen Taxifahrer findet. Für die Touristen ist hier alles zurecht gemacht. Tolle Hotels, sauberer Strand, schöne Geschäfte, Läden, Restaurants usw. Aber alles ganz anders als in dem wirklichen Kuba, das wir kennengelernt haben.

Wir sind recht schnell wieder zurück. Dort haben wir erst einmal Mittagsschlaf gemacht und sind dann los zum Wasser kaufen, Internet und ein wenig spazieren. Am Abend dann wieder Domino. Diesmal mit einem Typen, der auf magische Art und Weise wusste, welche Zahlen wir haben. Domino ist cooler als man denkt. Aber wir haben es nicht wirklich durchdrungen. Wir haben recht gut gespielt. Aber warum, wissen wir nicht so richtig. Liegt das Geheimnis in den Unmengen an Rum, die er so in sich hinein kippte oder im Zählen? Man weiß es nicht…

Havanna, Teil 2 (Tag 22 – Tag 27)

Tag 22 – Fahrt nach Havanna

Es ist ein bisschen wie zuhause ankommen. Wir sind heute zu unserer zweiten Casa gefahren, die in der wir anfangs das leckere Frühstück hatten. Wir haben uns für diese Casa entschieden, weil wir die Umgebung gut kennen, also wissen, wo es Früchte, Brot, Wasser, Internet usw. gibt. Und es ist tatsächlich wie nach Hause kommen. Das Zimmer ist zwar ein anderes (Upgrad für weniger Geld), aber sonst ist alles gleich. Fast… Diesmal ist nicht nur Roberto da, sondern auch seine Frau Paula. Sie ist spürbar Chef im Haus. Es wird diesmal wohl keine Party geben. Es sei denn sie ordnet eine an. Dann müssen alle feiern.

Unsere Casa in Havanna

Der Weg nach Havanna war in mehrfacher Hinsicht gut. Erstens haben wir dank Doreens Hartnäckigkeit 10 € weniger gezahlt als die anderen im Taxi. Vielleicht hätten wir dem Taxifahrer mehr Trinkgeld geben sollen. Er wurde zwischenzeitlich von der Polizei angehalten und hatte keine Taxi-Lizenz. Die muss man jeden Monat neu kaufen. Also hat er den Polizisten kurzerhand bestochen. Ist das erste Mal gewesen, dass wir sowas gesehen haben. Zweitens war der Weg selbst noch einmal sehenswert. Wir sind am Meer entlang und teilweise über Hügelkämme gefahren. So konnten wir aufs Meer und ins Landesinnere sehen. Die Natur war zwar gewohnt und wechselte zwischen braunen Graswiesen und tropischen Wäldern, aber die Landschaft eröffnete uns noch einmal einen schönen Eindruck. Das Wetter ist wieder etwas wärmer. Mussten wir gestern noch zwischenzeitlich unsere Cardigans anziehen, gehen wir heute wieder im T-Shirt. Aber für Kubaner ist es immer noch Kaltfront.

Fidel kuba

Abends sind wir noch einmal 15 km durch Havanna gegangen und haben ein paar Sehenswürdigkeiten angeschaut, wie die Nationalbibliothek, das Memorial für José Martí, den Nationalhelden Kubas und beinahe auch den Palast der Revolution. Aber da wollten wir nicht auch noch hingehen. Den sehen wir uns im Internet an. Eigentlich wollten wir sowieso die Adventgemeinde suchen, weil wir ja am nächsten Tag in den Gottesdienst gehen wollen. Aber die haben wir nicht gefunden.

Stattdessen rief uns Leo, unser Freund aus Morón an. Er hatte schon alles organisiert. Er nannte uns eine andere, dichtete Adresse und bat einen Freund auf uns zu warten. Nett!

Tag 23 – Sabbat und Stadtführung

Heute hat Doreen das erste Mal geäußert, dass sie sich auf Deutschland freut. Vorher war ich das. Ich habe mich mittlerweile fast an Kuba gewöhnt. Das Essen und der Gestank sind zwar immer noch nicht mein Ding, aber sie gehen mir nicht mehr auf den Senkel. Bei Doreen war das heute wohl anders. Dabei war der Gottesdienst gar nicht so schlecht. Er war nach 2,5 Stunden zu Ende, obwohl wir sogar zwei Predigten hatten. Das kam daher, dass ein Pastor einer anderen Gemeinde zu Besuch war. Würde sich bei uns einer der Pastoren über einen freien Sabbat freuen, so hielten hier beide eine Predigt. Die erste ging darüber, dass unsere adventistische Taufe die richtige ist. Die zweite ging darüber, dass Gott die Guten auferweckt und die Bösen vernichtet. Einhaltung der adventistischen Lehre in Kuba: Check!

Danach gab es Essen von der Kirche. Es wurde ein Teller für jeden ausgeteilt. Mehr gab es nicht. Eigentlich wollte ich dann noch auf die Toilette. Aber das habe ich mir kurzerhand anders überlegt. Unser Leos-Freund entpuppte sich als Touristenguide. Nach dem Gottesdienst gab er uns eine kleine Stadtführung und zeigte uns ein paar Orte Havannas. Aber sein Onkel hatte heute Geburtstag und so ließen wir ihn um 15 Uhr wieder gehen.

Abends sind wir noch einmal los und haben Essen gesucht und haben am Malecón gechillt. Das ist wohl unser Lieblingsplatz in Havanna. Wohl nicht nur unserer. Der war diesmal ganz schön voll.

Malecón viel Wind

Wir dachten auch schon langsam an den Heimflug. Drei Tage noch. Dann sind wir wieder auf dem Heimweg.

Tag 24 – Geld ausgeben und Geld ausgeben lassen

Nach einem guten Frühstück zogen wir los um Geld auszugeben. Wir suchten Souvenirs und besuchten das Schokoladenmuseum. Die Souvenirs hier sind jetzt aber nicht so ansprechend. Das Schokoladenmuseum roch super und wir bestellten eine „Traditionelle Heiße Schokolade nach Aztekenart“. Wir bekamen aber nur eine normale Schokolade. Und die schmeckte schrecklich. Wir haben ja schon festgestellt, dass man nicht für das Essen hierherkommt. Aber was uns da als traditionell kubanisch in einem ausgewiesenen Museum angeboten wurde, was unter allem, was wir uns vorstellen konnten. Neben dem, was man in einer Schokolade erwarten würde, befand sich noch ein Zeug darin, was uns von der Konsistenz her an Eiweiß erinnerte. Von der Milch? Geheime Zutat? Und dann war es auch geschmacklich aller unterstes Niveau. Jede selbstgemachte Schokolade aus rohem Kakao, Milch und Zucker schmeckt um Längen besser. Pfui! Danach besuchten wir ein Museum für kubanische und mexikanische Kunst. Naja… War gratis, also kann man nicht viel erwarten. War aber ganz nett. Dort waren bunte Fantasiefiguren aus Pappmaschee in Lebensgröße. Das war ganz gut. Die Fotografien von Havanna, wie es sich in Pfützen reflektiert, waren auch nett. Wir ließen eine Spende da.

Dann eine kurze Pause in unserer Casa und dann auf zu unserer Verabredung.

Unsere Verabredung heißt Yoda. Geiler Name! Er ist mit uns zu der Burg, die über den Hafen von Havanna wacht, hat uns Pizza ausgegeben und dann zur Christusstatue.Christusstatue Havanna Kuba

Von allen Orten hat man einen schönen Ausblick. Im Hafen fahren Personenfähren. Er erzählte uns, dass Kuba 1994 in einer schweren Wirtschaftskrise steckte. Da wurde eine der Fähren gekidnappt, weil die Leute damit in das nur 160 km entfernte Florida flüchten wollten. Doch auf halber Strecke ging ihnen der Diesel aus und sie wurden wieder eingefangen. Fiedel ließ sie zur Warnung aller Nachahmer hinrichten. Patria o Muerte! Seitdem bauen sie sich Flöße aus Autoreifen und Holz. Er sagte, dass die meisten Flüchtlinge von den Haien gefressen werden. Klingt nach einer Legende, aber wenn sie wirkt…

Dann sind wir mit ihm am Malecón spazieren gegangen. Doreen quatschte die ganze Zeit mit ihm und ich verstehe dann ja immer nur spanisch. Also ging ich ein paar Meter vorweg und genoss die Aussicht. Man sagte ja, dass Kuba auch für allein reisende Frauen geeignet ist, weil es so sicher ist. Aber es scheint auch für allein reisende Männer geeignet zu sein. Ich wurde von insgesamt drei Mädchen angesprochen. Ihr schlechtes Englisch verhalf mir zu dem Mythos aus New York zu kommen. Aber immer, wenn ich auf meine Frau verwiesen habe, gingen sie gleich. Nach unserem insgesamt 12 km langen Spaziergang hat er uns noch mit nach Hause genommen und uns verköstigt. Zuerst dachte wir er will Geld. Warum ist man sonst so nett? Aber er will kein Geld. Er ist tatsächlich einfach nur ein freundlicher Kerl! Er zeigte uns ganz stolz die Bilder vom letzten Hurricane, wo der Malecón hüfttief unter Wasser stand. Dazu muss man wissen, dass der Malecón zwar drei bis vier Meter über dem Wasserspiegel liegt, aber so hoch ging das Wasser nicht. Er hat aber eine Kaimauer, die das Wasser, das durch die Wellen auf die Straße spritzte oder abregnete daran hinderte abzulaufen. Daher stand alles bis weit in die Stadt rein unter Wasser. Aber Kubaner wären nicht Kubaner, wenn sie das nicht mit ein paar unscharfen Selfies und ein bisschen Rum feiern würden.

Um 21:30 Uhr wurden wir dann nach Hause gelassen. Freundliche Leute sind das. Und für den nächsten Tag haben sie uns gleich wieder eingeladen.

Tag 25 – geiles Wetter

In dem Bus zum Strand waren 35 Grad. Das war warm. Aber das kam auch nicht von ungefähr. Das Wetter war heute wirklich gut. Der Himmel hatte nur ganz wenig Wolken und die Sonne brannte einem auf den Kopf. Allerdings waren eher 27 Grad drin. Die 35 Grad hatten einen anderen Grund: als wir im Bus waren und an einer Station hielten, wollten mehr in den Bus steigen, als physikalisch möglich sind. Der Busfahrer stellte ein Ultimatum: Entweder wir gehen noch nach hinten durch oder Leute steigen aus. Aussteigen wollte aber niemand. Demonstrativ stellte er den Motor aus. Irgendwann setzte sich die Masse in Bewegung und stellte Körperkontakt her, viel Körperkontakt. Man redet in solchen Situationen ja von der sprichwörtlichen Sardinenbüchse. Aber ich habe den Eindruck dieses Gefühl jetzt erst erlebt zu haben. Man ist eingezwängt zwischen Ärschen und Achseln und wiegt sich monolithisch im Rhythmus aus Bremse und Gas. Hat da jemand gefummelt? Umdrehen ist nicht, man weiß ja sowieso nicht wessen Körperteil das war. Ich musste unwillkürlich an japanische U-Bahnen denken, wo es Personal gibt, das noch einmal drückt, damit alle reinpassen. Ich denke ich bin nun reif für eine entspannte Japanreise. Schocken wird mich DAS jedenfalls nicht mehr.

Der Strand selbst vor sich uns in paradiesischem Flair. Es ist wieder der Einheimischenstrand vom Anfang unseres Urlaubs. Der beste Strand auf Kuba, den wir gefunden haben.

Playa Santa Maria Havana kuba

Danach sind wir wieder zu unserer Verabredung von gestern und haben zu Abend gegessen. Ein reiches Angebot! Wir spielten Domino, sahen uns Hochzeitsvideos an und Bilder vom letzten Hurricane. Diesmal vom Oriente, dem Südosten Kubas. Da wollten wir eigentlich auch hin. Unsere Kubanischen Freunde sind dorthin 30 Stunden im Zug unterwegs gewesen. Auf dem Rückweg verbrachten sie zwei Tage auf dem Busbahnhof weil kein Bus fuhr. Diese Erfahrung ist uns erspart geblieben. Aber die Bilder vermitteln uns einen Eindruck. Haben wir das also auch mal gesehen… Sieht nicht so aus, als hätten wir viel verpasst.

Die Leute sind sehr nett! Vielleicht sind sie die nettesten, die wir in ganz Kuba gefunden haben. Sie rangieren jedenfalls sehr weit oben auf unserer Nettigkeitsliste. Vielleicht haben sie ja kanadische Vorfahren!?

Wobei eine Sache ihre Nettigkeit doch etwas eintrübt: Kubaner pflegen ein ausgesprochen entspanntes Verhältnis zum Rassismus. Sie benutzen Wörter, die wir nicht sagen und machen sich über körperliche Merkmale anderer Ethnien in einer Art und Weise Lustig, dass wir uns schon uns schon fremd schämen. Und ich rede hier von unserer netten Familie. Die Leute auf der Straße tragen den Rassismus offen rum. Man ist eben doch Teil der Gesellschaft. Dabei sind die Kubaner doch selbst nicht homogen, sondern auch eine Mischung aus Ureinwohnern, Spaniern, Europäern und Schwarzafrikanern. Tja… Man kann nicht immer alles verstehen.

Tag 26 – letzter Tag

Kuba ist das erste Land, wo wir Rassismus am eigenen Leib erfahren. Das ist uns heute einmal mehr bewusst geworden. Nur weil wir nicht kubanisch aussehen, gibt es einen Preisaufschlag. Wenn man dann nach einer Quittung fragt, gibt es keine. Dann würde es ja auffallen… Diesmal wollten wir einfach nur Wasser kaufen. Und sollten statt 1,90€ standhaft 3€ zahlen. Halsabschneider!! Wir sind gegangen und haben einen ehrlichen Shop gesucht.

Zum Glück sind nicht alle so und manchmal nehmen sich Kubaner dafür auch selbst aufs Korn. Wenn wir die Straße entlang gehen, kommt alle paar Minuten ein Auto oder ein Velotaxi an uns vorbei und ruft: „¿Taxi?“ Es werden gezielt wir angeschaut. Wenn sich dann Kubaner melden, fahren die Taxen oftmals weiter. So waren wir schon angenervt, als wir wieder einmal die Straße entlang gingen und es von schräg hinter uns tönte „¿Taxi?“. Doch als wir uns umsahen, war da ein Müllmann mit seinem Handkarren. Er grinste uns an und als wir merkten, dass er einen Scherz machte, prusteten wir alle. Es entwickelte sich ein kleines Gespräch. Netter Kerl.

Außerdem haben wir mit unseren Hosts heute Domino gespielt. Roberto ist ein Zauberer. Woher weiß er nur immer, welche Zahlen wir haben?!? Er gewann immer. Nur einmal nicht. Da hatte er wohl ausgemachtes Pech. Als wir dann Qwirkle spielen wollten, stellten sie sich aber ein bisschen blöd an. Eigentlich ist es ja sehr ähnlich. Aber das mit den Reihen kriegen sie nicht auf die Reihe. Seltsam…

Abends waren wir wieder bei unserer Verabredung. Wir haben ein opulentes Mahl bekommen und bedankten uns mit Geschenken. Doreen verschenkte ihren alten MP3-Player und ihre Schnorchelsachen, die der Tochter vermutlich besser passen als Doreen. Außerdem gaben wir Ihnen unser Restgeld. Die Münzen uns Pesos hätten wir am Flughafen sowieso nicht tauschen. Eigentlich wollte Leo uns noch mal anrufen. Aber die Gastgeber haben das Telefon ausgestöpselt. Die wollen das wohl nicht.

Aber ich glaube neben all den seltsamen Erfahrungen mit den Leuten hier haben wir tatsächlich ein paar Freunde hier gefunden. Leo, die Familie hier in Havanna und vielleicht ein paar mehr. Mal sehen, ob man sich noch einmal wiedersieht.

Und so ging unser letzter Tag in Kuba zu Ende. Wir verbrachten noch einmal lange Zeit im Sardinenbus und am Strand, zogen durch Havanna, genossen das warme Wasser (die Kaltfront hat sich endgültig verabschiedet), aßen reichlich kubanisch und gingen den Malecón entlang. Ein würdiger letzter Tag.

Tag 27 – Heimreise

Heute Morgen war es warm, sehr warm. Trotzdem gab es einen kurzen, kräftigen Schauer. Das machte die Luft sehr tropisch schwül. Und das im Winter. Wie ist es hier im Sommer?

Unsere Gastgeber waren heute oberfreundlich. Sie wiesen mehrmals darauf hin, wie wichtig Ihnen die Bewertung ist. Aha… daher weht der Wind. Aber die Bewertung wird durchwachsen. Roberto ist cool. Aber seine Frau Paula, die beim ersten Besuch noch in Italien war, ist etwas seltsam.

Der Flughafen Havanna ist nicht groß, hat aber 5 Terminals. Es gibt drei nationale Terminals, einen internationalen und einen für die USA. US-Bürger machen hier auch den Großteil der Touristen aus. An Platz zwei sind Kanadier. Kanadier, so sagte man uns, haben eine besondere Partnerschaft mit Kuba. Die kommen wohl schon ewig in großer Zahl und haben sogar besondere Konditionen, was das Mitführen von Sachen angeht. Was das im Einzelnen bedeutet, haben wir aber nicht erfahren. Auch andere Nationen kann man wohl an ihren Reisevorlieben erkennen. Deutsche sind wohl eher Individualreisende, Italiener wollen alle nach Cayo Largo, Kanadier und Russen fahren in die Resorts. Was die US-Bürger hier so speziell macht, wissen wir nicht. Vielleicht haben sie ihren eigenen Terminal, weil die Ein- und Ausreisebedingungen von Seiten der USA sehr speziell sind. Wer weiß…

Insgesamt freuen wir uns schon auf die Heimat. Haben wir einen Kulturschock? Hmm… mit der Zeit fiel es uns deutlich leichter mit der Lebensart und den Verhältnissen hier umzugehen. Die Beziehungen, die wir geknüpft haben und die Dauer des Aufenthalts machen es leichter sich daran zu gewöhnen. Aber es gibt ein paar Sachen, die schwierig bleiben: Der Tourismus-Rassismus, der Gestank und das Essen sind die Sachen, die ich am schwersten überwinden könnte. Der Rest geht.

Der Flug lief wie jeder andere Langstreckenflug. Ein paar Sachen sind uns trotzdem aufgefallen:

Obwohl wir gar nicht nach Kanada eingereist sind und den Sicherheitsbereich gar nicht verließen, mussten wir wieder einen Sicherheitscheck machen. Der Typ vor uns hat sich in Kuba im Duty-Free-Shop eine sehr teure Flasche Rum gekauft. Sie wurde extra in einen Beutel eingeschweißt, der Begriffe wie „Duty Free“ und „Safe“ drauf hatte. Bei der Weiterreise sollte es da eigentlich keine Probleme geben. Die Sicherheitsbeamten in Kanada waren da anderer Ansicht. Sie rissen den Beutel auf, fanden keine Quittung und er musste die Flasche dalassen. Armer Kerl!

Die Flüge waren insgesamt recht leer. Aber der Flug von London nach Hamburg war der leerste, den wir je hatten. Das Flugzeug war vielleicht zu einem Drittel gefüllt. Wir durften uns umsetzen und hatten viel Platz. Nach mehr als 12 Stunden unterwegs und kaum Schlaf ist das sehr angenehm.

Und der englische Sicherheitscheck ist deutlich pingeliger als der kanadische. Die haben mich rausgezogen und meine Sachen durchwühlt. Die Klamotten schienen ihnen dann aber doch nicht so gefallen zu haben. Sie wollten jedenfalls nichts behalten.

Nun sind wir wieder zuhause und es heißt Jetlag bearbeiten.

“Organisation”

Eigentlich nichts Neues. Aber trotzdem spannend, wie das wirtschaftliche System funktioniert.

Die Bezahlung hier ist schlecht. 25€ im Monat reichen für niemanden. Das weiß hier jeder. Es gibt zwar Subventionen in den Bereichen Lebensmittel, Gesundheitssystem und Bildung. Aber bei alledem gibt es immer Sekundärkosten. Schule ist gratis. Aber die Schuluniform nicht. Reis, Bohnen und andere Basislebensmittel sind subventioniert. Aber viele andere eben nicht. Und so ist jedem hier klar, das Einkommen reicht zum Leben nicht. Also hat sich über die Jahre hinweg ein Parallelsystem der „Organisation“ aufgebaut. Nach der Arbeit werden eben Dinge und Dienstleistungen „organisiert“, um an die begehrten Devisen zu kommen. In Deutschland würden wir es Schwarzarbeit nennen. Aber hier ist es nicht verboten. Nur der Inhalt mancher Organisation ist es. Ein paar Sachen mit denen wir in Kontakt gekommen sind, sind folgende: Es werden Festplatten mit dem Fernsehprogramm der vergangenen Woche aus den umliegenden Ländern herumgereicht, es wird Fleisch besorgt, Taxen werden abenteuerlich zusammengestellt, Privathäuser verkaufen Pizza zur Straße raus usw.

Man sagte uns, dass man die Leute durchaus besser bezahlen könnte. Aber dann müsste man das System der Organisation abschaffen. Beides ist nicht finanzierbar. Aber die Organisation lässt sich nicht unterbinden.

Spannender Sidekick: Wenn man die Leute etwas näher kennenlernt, dann hört man sie jammern: „Der blöde Sozialismus! Die Schere zwischen Arm und Reich geht immer weiter auseinander. Das System funktioniert nicht für die Menschen. Hier geht es vielen Menschen sehr schlecht! Der Staat sollte besser…“ Naja, ob alles besser wäre, wenn es anders wäre. Man muss einfach nur Sozialismus mit Kapitalismus austauschen und der Satz könnte aus Deutschland, den USA oder sonst woher kommen.

Wir haben auch überlegt, ob wir „organisieren“, Teil des Systems werden. Aber da sind einzelne empfindlich. Und wurde ganz klar deutlich gemacht, dass wir uns illegal verhalten, wenn wir dies oder jenes tun. Für uns sind eigene Touristenangebote da. Die sollen wir nutzen. Da sieht wohl jemand seine Felle wegschwimmen… dabei gibt es ja durchaus welche die davon profitiert hätten…

Havanna, Teil 1 (Tag 2 – Tag 5)

Tag 2 – Ankunft in Havanna

Das Abenteuer beginnt! Angekommen in Havanna passierte uns genau das, wovor man beim Fliegen die größte Angst hat: das Gepäck ist nicht da. Wir sahen Deutsche deren Gepäck aufgerissen (der Stoff, nicht der Reißverschluss), zerstampft und dann in Folie eingewickelt war. Was war dann erst mit unserem geschehen? Wir warteten tapfer und mussten dann zusehen, wie die Urlauber, die nach uns kamen, vor uns gingen.

Wir gingen also zum Lost & Found Büro. Dort trieb man es auf. Es war lange vor uns angekommen. Ist also auch mal möglich.

Dann erst einmal Kubanische Taler aus dem Automaten gezogen, Internet gekauft und ins Taxi zur ersten Unterkunft gestiegen. Lief alles wunderbar. Im Auto gab es keine Sicherheitsgurte und der Fahrer ist kräftig über die Straßen geheizt. Aber Taxifahrer bauen ja die wenigsten Unfälle, sagt man.

Insgesamt ist Kuba wie eine in die Jahre gekommene DDR, im Süden, auf Spanisch. Wir haben hier schon Ladas und eine MZ gesehen. Unser Taxi war aber ein modernes.

Unser Tagesablauf belief sich dann auf Ankommen, Unterkunft suchen und Nahrungsbeschaffung. So machen es die Menschen seit Jahrtausenden. Nur in einer in die Jahre gekommenen DDR, im Süden, auf Spanisch.

Temperaturunterschied zwischen Toronto und Havanna: 40 Grad.

Tag 3 – ein neues Zuhause

Wir mussten unser Zimmer verlassen, weil neu gebucht war. Also sind wir umgezogen und bleiben hier für die nächsten drei Tage.

Doreen schien gestern noch etwas überfordert. Sie ist ja nun meine Reiseleitung. Aber das Spanisch hier ist sehr genuschelt, sodass Doreen die Leute hier nur schlecht versteht.

Aber trotzdem hat sie prompt Freundschaften geschlossen. Unseren neuen Gastgeber hat sie vier Stunden lang bezirzt mit Gequatsche und Dominospielen. Und auf der Straße haben wir eine Mutti wieder getroffen, die Doreen gestern schon beim Pizza bestellen geholfen hat. Wir deckten sie erst einmal mit Parfüm und Shampoo-Proben ein. Die Leute freuen sich darüber. Und dann lud uns die Mutti zu ihrer Neujahrsfeier ein: Bier trinken im Hotel. Oder war es eine Bar? Die Straße haben wir vermutlich gefunden, aber das vermeintliche Hotel nicht.

Doreen ist hier jedenfalls voll in ihrem Element: Neue Leute, Abenteuer usw.

Tag 4 – Strand und Leute

Heute sind wir erst spät wach geworden. Die Nacht war anstrengend. Die Kubaner böllern zwar nicht, weil sie sich die Feuerwerkskörper nicht leisten können. Aber sie machen sich Spaß durch laute Musik, Tanzen und Touristen vom Balkon aus mit Wassereimern überschütten. Letzteres wissen wir von einem Schweizer, den wir auf dem Weg zum Strand gefunden haben. Er fand das aber nicht so lustig. Die Kubaner wohl schon. Wir haben von alledem nichts gemerkt, weil wir mit Ohropax geschlafen haben. Nur das Wummern des Basses von der Straße und die flimmernde Festbeleuchtung haben uns daran erinnert, dass ja eigentlich Silvester war.

Heute sind wir zum Strand mit dem einheimischen Bus gefahren. Das hat uns hin und zurück umgerechnet ca. 26 ct gekostet. Für uns beide zusammen…

Das Frühstück hingegen kostete für uns beide etwa 10 Euro. Essen ist hier wohl teurer als Busfahren. Dafür war das Essen aber sehr gut. Also eigentlich nichts Besonderes, aber gut! Es gab Obst, Smoothie, Rührei mit Tomaten, frittierte herzhafte Bananen, Schokobrötchen, getoastetes Weißbrot und kubanischen Kaffee. Wir waren pappsatt! „Ich weiß!“ sagte unser Gastgeber grinsend dazu.

Zurück zum Strand: Der ist ja mal geil!! Glasklares, türkises Wasser, Palmen, weicher Sand und zwischen all den Einheimischen zwei käseweiße Touristen aus Deutschland. Wir wollten uns verziehen, bevor wir krebsrot sind. Hat nur zum Teil geklappt. Den Abend sind wir noch einmal los auf Internetsuche. Dabei zog ein Sturm auf im doppelten Sinne. Zum einen wetterte es ganz schön. Und bei Samuel klappte das WiFi nicht, was ihn ziemlich frustriert hat. Am Ende waren wenigstens ein paar Nachrichten verschickt. Also kein schlechter Schnitt. Aber gut war seine Laune nicht. Dennoch genossen wir die großen Brecher an der Mole, die der Sturm an die Küste peitschte. Herrlich dieses Wetter bei der Wärme.

Tag 5 – letzter Tag in Havanna

Wieder ein sehr leckeres Frühstück! Kürbissuppe, frisches Obst, Smoothie und Kaffee gab es heute auch. Neu waren das „Rastatouille“, Kekse und die Brötchen. Den Vormittag haben wir hauptsächlich damit verbracht mit unserem Gastgeber Domino zu spielen. Das ist hier Volksspiel wie bei uns Skat. Und man denkt ja bei diesem Spiel, dass es Glück ist. Man kann schließlich nur an zwei Seiten anlegen und man hat die passenden Steine oder eben nicht. Aber denkste! Der Typ zockt uns jedes Mal ab. Aber immerhin hat er uns nicht „Pollo“ gespielt. Das bedeutet „Hühnchen“ und so nennt man denjenigen, der am Ende null Punkte hat.

Zur Mittagszeit waren wir schlauer als gestern. Gestern und heute sind Nationalfeiertage. Viva la revolucion! Deswegen sind die Geschäfte nicht den ganzen Tag auf. Wir sind also kurz vor Ladenschluss noch einmal los, um uns mit Essen einzudecken. Das Obst hat unser Gastgeber für uns gekauft. Damit kamen wir günstiger: 5 Brötchen, 1 Pack Marmelade (gibt es in Plastikpacken, nicht im Glas), 4 Erdnussriegel, 1 Papaya, 5 Bananen für ca. 3€. Verglichen mit Deutschland ein Klacks. Aber verglichen mit einer Busfahrt hier…

Unseren Gastgeber haben wir schon ins Herz geschlossen und abgemacht, dass wir das Ende unserer Reise wieder hier verbringen. Er bekommt für seinen Service auch ein sattes Trinkgeld. Der Typ lässt uns echt dazugehören.

Heute ist leider Familie von ihm gekommen und wir waren abgeschrieben. Aber wir sind auch Viele Grüße zwei verrückte Pollos! Trinken keinen Rum, essen kein Fleisch, sabbeln den ganzen Tag und wollen unbedingt im Domino abgezockt werden. Da braucht man mal Pause. Doch wir kommen wieder! Dann wird die Familie auch noch da sein, aber er hat dann schon Trinkgeld bekommen. Vielleicht ist seine Liebe ja käuflich.

Am Nachmittag sind wir in die Altstadt von Havanna. Dort sieht die Stadt ganz anders aus. Alles ist hergemacht, Souvenirläden überall und Touristenströme schieben sich da durch. Es ist sauberer, wenn auch nicht leiser. Die Häuser sind restauriert, wirken aber seltsam steril. Irgendwie gefällt uns unser Zuhause hier besser. Die Leute sind hier natürlicher.

Das Wetter war heute recht kühl. Zeitweise haben wir in unseren T-Shirts kalte Arme bekommen. Aber so war das Licht für unsere Fotos besser.

Am Abend entschieden wir uns für Schlafen. Wir schlafen nachts nicht so gut. Und morgen wird eine anstrengende Reise.

Verkehr in Kuba

Der Verkehr

Warum wir denn keinen Motorroller mieten, wurden wir gefragt. Weil wir nicht bescheuert sind, hätte ich gern gesagt.

Capitol Oldtimer Kuba

Der Verkehr ist rudimentär geregelt. Die Vorfahrtsregeln sind denen der USA sehr ähnlich. Wer zuerst an eine Kreuzung kommt, darf auch zuerst fahren. Es gibt ein paar Ampeln und ansonsten Schilder. Ich habe nur den Eindruck, dass die Verkehrsregeln eher Empfehlungen als richtige Regeln sind. Es wird bei Rot gefahren, wenn die Kreuzung relativ frei ist, mal macht sich auch das größere Fahrzeug Platz und so erinnert der Verkehr manchmal an Indien. Ein besonders schweres Los hat man als Tourist. Wer unsicher durch die Straße gurkt, ist sofort im Fadenkreuz. Aber Touristen, die Autos gemietet haben, scheinen eine besondere Strategie entwickelt zu haben: rechts ranfahren und warten, bis sich die Lage beruhigt hat.

Als Fußgänger unterwegs

Wenn man Tourist UND Fußgänger ist, hat man doppelt Pech. Für Fußgänger wird nicht gebremst. Und das ist kein Spaß. Wir haben uns von Kubanern erklären lassen, was passiert, wenn ein Fußgänger mal einem Auto zum Opfer fällt: Wenn der Fußgänger stirbt, muss jemand ins Gefängnis. Wenn der Fußgänger nicht stirbt, sondern nur verletzt ist, passiert gar nichts. Da ist es kein Wunder, dass die Autofahrer so schnell und so knapp wie möglich an Fußgängern vorbeifahren. Aber auch sonst werden Fußgänger nicht wirklich geschützt. Wir haben nicht einen einzigen Zebrastreifen gefunden. Lediglich ein paar Fußgängerampeln. Selbst der Malecón, Havannas berühmteste Straße, hat zwar sechs bis acht Spuren, aber keine sichere Möglichkeit für Fußgänger zu passieren. Wenn halbwegs frei ist, heißt es rennen. Und selbst wenn Ampeln da sind: Die Rotphasen für Auto sind ja eher Empfehlungen und für Fußgänger wird nicht gebremst. Als Fußgänger hat man im Optimalfall kräftige Waden, um gegebenenfalls schnell von der Straße springen zu können. Und das ist auch wirklich nötig!

Mit dem Auto durch Kuba

Wer sich dann als Mieter eines Fahrzeugs schon von den anderen Verkehrsteilnehmern gemobbt fühlt, sollte der Polizei aus dem Weg gehen. Wir haben gesehen, dass Touristen einen Strafzettel für etwas kassiert haben, das rundherum auch alle anderen machen. Man könnte den Beamten auch bestechen. Aber wer macht denn sowas? Und vielleicht ist der Strafzettel günstiger…

Eine weitere Besonderheit sind die Reparaturen. Alte Autos haben auch die Probleme von alten Autos und hin und wieder sind Reparaturen fällig. Aber Werkstätten sind recht rar gesät. Wahrscheinlich ist mal selbst der beste KFZ-Meister. Doch wo reparieren, wenn das Auto nicht ins Wohnzimmer passt? Richtig, auf der Straße. Nein, nicht am Straßenrand! Mitten auf der Straße. Und dann stand da auf der mittleren einer dreispurigen Straße ein Auto aufgebockt und beide Hinterräder waren abmontiert. Das stellt natürlich auch in Kuba eine gewisse Unfallgefahr dar. Daher ist jedes Fahrzeug zur Mitführung eines Warnbaums verpflichtet. Ist natürlich Quatsch! Zweige, Äste und Bäume findet man fast überall. Das Grünzeug wird dann einfach hinten angebunden. Wenn man mal drüber nachdenkt, eigentlich sind clevere Lösung: Wenn ein Auto mit Grünzeug irgendwo auf der Straße steht, wird das nicht nur kurz halten. Das steht dann sicher schon eine Weile da. Es ist aber tatsächlich nur eine zeitlich befristete Lösung. Auto sind hier zu wertvoll, als dass sie hier lange irgendwo rumstehen.

Auto repariert Kuba

Kennzeichen und Automarken

Noch eine Besonderheit sind die Kennzeichen: Buchstaben vorne und Zahlen dahinter kennen wir auch. Allerdings sind die Buchstaben hier nicht Regionen zugeordnet, sondern Funktionen. „B“ hat alles, was irgendwie staatlich oder öffentlich ist. Z.B. Busse, Regierungsfahrzeuge und Polizei. „D“ hat alles, was Diplomatenfahrzeuge sind. (Haben wir nie gesehen) „P“ sind normale Zivilisten. Es gibt wohl auch noch andere Buchstaben, aber deren Bedeutung habe ich mir nicht merken können. Roller haben übrigens keine Nummernschilder. Außer E-Roller.

Und als letzte Info: Das mit Abstand häufigste Auto ist: Lada. Gleich danach kommen sämtliche amerikanischen Modelle aus den 50ern und 60ern: Pontiac, Cadillac, Ram, aber am Häufigsten Chevrolet. Und dann ist noch recht häufig ein sehr kleines Auto zu sehen, das ist noch nicht zuordnen konnte. Später haben wir dann herausgefunden, dass es “Polski Fiat” heißt; ein spannendes kleines Auto.