Havanna- der gerupfte Papagei

Havanna kann man am besten mit einem Papagei vergleichen. Die meisten Oldtimer sind in knalligen Bonbon-Farben lackiert. Auch die Häuser haben einen sehr bunten Anstrich. Und dann werden auch noch Farben kombiniert, die bei uns Todsünden wären. Auch die Leute laufen so herum. Sehr bunt und oftmals sehr auf ihr Äußeres bedacht. Die Frauen tragen enganliegende Kleidung und die Männer knallig bunt.

Alles ist bunt, wie ein Papagei.

Und Havanna ist laut! Erst dachten wir, es wäre nur wegen Neujahr. Aber sobald jemand einen Lautsprecher hat, wird dir ganze Straße oder der Bus oder wo man sonst so ist, beschallt. Für Fenster ist es zu warm, also sind die Wohnzimmer quasi auch an der Straße. Die Leute, die vorbeikommen, quatschen miteinander, tanzen oder grillen auf der Straße. Dann die alten blubbernden Autos, Marktschreier und überall Musik. Die Musik ist hauptsächlich lateinamerikanisch, aber es gibt auch Elektro. Alles ist laut, wie ein Papagei.

Havanna sitzt in einem Käfig. Die großen Hotels sind nicht für Kubaner erschwinglich und auch die kleinsten Toilettenartikel sind für kubanische Verhältnisse sehr teuer. Das Internet ist zensiert (AirBnB müssen wir über meine Schwester buchen, weil das hier nicht erlaubt ist), das Geld ist knapp sowie auch das Essen und ausreisen ist für Kubaner nur begrenzt möglich. (Die Kubanische Regierung erlaubt sehr viele Ausreisen. Zum einen wissen sie, dass die Kubaner sich das sowieso nicht leisten können, zum anderen wissen sie, dass Länder wie z.B. die USA die Einreise von Kubanern gar nicht erlauben, weil sie Flüchtlingswellen befürchten. Und der Rest von Mittelamerika bietet auch nicht mehr als Kuba hat. Wo sollten die Kubaner also hin?) Havanna ist also in einem Käfig, so wie ein Papagei.

Havanna ist aber auch ganz schön marode. Der Großteil der Häuser ist wenigsten heruntergekommen, wenn nicht sogar marode oder baufällig. Gut erhalten und restauriert sind nur die internationalen Hotels und ein paar wenige Regierungsgebäude, letztere aber nur halb. Auch die Privathäuser sind sehr heruntergekommen. Dafür müssen die Leute sehr improvisieren. Wenige Ressourcen und viele Dinge, die repariert werden müssen, erfordern Kreativität. Opa Alfons wäre in seinem Element. Wobei manches hier selbst für seine Verhältnisse abenteuerlich ist.

Wenn ihr euch also einen bunten Papagei in einem Käfig vorstellt, der gerupft ist, aber kräftig krakeelt, dann habt ihr eine ziemlich zutreffende Vorstellung von Havanna.

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