Morón (Tag 15 – Tag 19)

Tag 15 – Reise nach Morón

Um 8:00 Uhr ging es nach Morón. Wir hatten lange vor der Reise Kontakt zu einem jungen Mann aus dieser Stadt aufgenommen und Infos abgegriffen. Den besuchen wir jetzt. Er hatte und auch schon immer die letzten Tage in Trinidad angerufen. Er sagte immer, er sei schon sehr aufgeregt.

Die Fahrt führte uns anfangs durch sehr schöne Natur. Der größte Teil von Kuba ist sehr platt. Aber um Trinidad herum gibt es Berge. Das war sehr schön! Grüne, steile Hänge wechseln sich ab mit Palmenfarmen und Wiesen mit braunem Gras. Die Berge sehen nicht aus wie in den Alpen, eher wie braune Zuckerhüte.

Morón ist deutlich anders als Trinidad. Hier wirkt es eher nach normalem Kuba, ähnlich wie Havanna. Wir kamen an einer Fabrik mit Näherinnen vorbei und auch diversen anderen Geschäften. Hier leben und arbeiten endlich mal Kubaner, die nicht in erster Linie von uns leben wollen. Das ist richtig angenehm. Gut, dass Trinidad nicht unser einziger Eindruck von Kuba ist.

Am Abend auf der Dachterrasse unserer Casa wurden wir Zeugen eines besonderen kubanischen Hobbies. Hier werden Tauben dressiert. Die Leute sitzen mit einer Trillerpfeife ausgerüstet auf dem Dach ihres Hauses und geben über diverse Pfifffolgen Befehle an die Tauben. Diese setzen die Pfiffe dann in Bewegungen um. Sie starten und landen auf Kommando, fliegen Kreise, Achten oder Strecken. Sie wechseln die Richtung. Sie fliegen wohin und wie der Dompteur es haben will. Unsere Gastgeberin hat erzählt, dass die Tauben sogar als Brieftauben eingesetzt werden, indem man sie von Stadt zu Stadt schickt. Ich hätte nie gedacht, dass man sowas mit Tauben machen kann.

Dachterrasse Kuba

Nach Sonnenuntergang sahen wir Wetterleuchten am Horizont. Sehr romantisch.

Tag 16 – Gottesdienst mit Leo

Leo ist begeisterter Adventist und wir besuchten ihn im Gottesdienst. Der hielt ein paar spannende Sachen für uns bereit. Zum einen dauerte er 4 Stunden. Wobei das wohl auch für diese Gemeinde außergewöhnlich lang war und alle hatten hinterher kräftig Hunger. Ein Adventistischer Gottesdienst besteht aus zwei Teilen, die von einer Pause getrennt werden. Im ersten Teil gibt es ein Bibelgespräch, wo weltweit über ein bestimmtes Thema gesprochen wird und im zweiten Teil folgt die Predigt. Doch die Musik ist ganz anders als man sie in einem Gottesdienst erwarten würde. Es gibt zwar ein Piano. Aber das ist grässlich verstimmt. Macht aber nichts, gesungen wird sowieso vom Beamer.

Flügel antik

Die Musik wird über das abgespielte Video eingespielt. Das führt je nach Videoqualität zu außergewöhnlichen und zweifelhaften Hörproben. Am Anfang ist die Musik lebhafter. Zur Predigt hin ist sie ruhiger. Das ist Absicht, denn man soll in eine Gebetshaltung kommen.

Predigt und Bibelgespräch konnte ich von der Form her nicht wirklich auseinanderhalten. Kann aber auch daran liegen, dass dem Bibelgespräch selbst eine Zusammenfassung des Bibelgesprächs von letzter Woche vorgelagert war. Die war sehr ausführlich. Insgesamt ist der Gottesdienst sehr kontemplativ. Ich habe irgendwann aufgehört die Gebete zu zählen. Oft knieten wir uns hin, manche beugten sich tief nieder zur Erde. Gleichzeitig ist es extrem laut. Manche Lieder wurden wiederholt und dann einfach lauter. Auch alle anderen Leute auf der Bühne waren laut. Sehr laut!

Danach waren wir bei einer Familie eingeladen. Da waren auch noch zwei Kanadier. Wir hatten eine ganze Menge Spaß! Am Abend sind wir noch einmal in die Kirche zu einer Kostümparty. Die haben sich mit ihren Kostümen echt auf Faschingsniveau bewegt. Viele waren selbst gebastelt und enorm gut. Was uns etwas überrascht hat, war die Art der Kostüme, die hier bei einer kirchlichen Veranstaltung möglich waren. Natürlich gab es Clowns, Prinzessinnen, Tieren, Feen, man ist als anderes Geschlecht gegangen usw. Aber es gab auch eine große Anzahl an Hexen, Zombies und sogar der Tod kam vorbei. Das kam für mich etwas überraschen, wo wir doch in einer christlichen Kirche sind. Aber im Vordergrund stand auch eindeutig der Spaß. Also wollen wir mal nicht kleinlich sein.

Kuba Kostümparty

Und die Stimmung war ja auch sehr gut. Man hat die Kostüme bewundert und sich an der Gemeinschaft gefreut. Dafür hat es auf jeden Fall getaugt! Und vielleicht erregt sowas auch mehr Aufmerksamkeit als der Gottesdienst. Wir hatten nämlich tatsächlich Zuschauer aus der Nachbarschaft.

Tag 17 – Leos Geburtstag

Um 6:45 Uhr trafen wir uns mit Leo und sind kurz darauf in das Auto nach Cayo Coco gestiegen. Cayo Coco ist eine Insel, die ausschließlich für Touristen ist. Kubaner dürfen sie nicht betreten, wenn sie nicht dort arbeiten. Leo hat und genutzt, um hier seinen Geburtstag zu feiern. Wir waren quasi seine Eintrittskarte.

Nach cayo coco

Der Strand hier ist wirklich schön. Weißer Sand, türkises Wasser und Flamingos. Leider gibt es hier keine Flamingos. Die sind alle im Hurricane draufgegangen. Die Population muss sich erst wieder erholen. Und das Wetter war auch nicht so umwerfend schön. Es war wolkig und sehr windig. Das Wasser war aber warm und schön. Nur am Strand war es stellenweise kalt. Dafür haben wir keinen Sonnenbrand bekommen.

Bei diesem Trip haben wir die Kanadier besucht, die wir gestern getroffen haben. Sie sind hier im All-inclusive-Hotel untergebracht und haben uns sogar Essen vom Buffet geholt. Leo ist ausgetickt vor Freude. Eigentlich ist es ihm verboten solche Resorts zu betreten und wir haben ihn einfach als Italiener ausgegeben. Als die Kanadier Essen holen waren, hat er sich aufs Bett gesetzt und als Tourist posiert. Für ihn ist das eine komplett andere Welt. Für ihn war das auf jeden Fall eine außergewöhnliche Erfahrung. Für uns war es einmal mehr die Erinnerung daran, was wir zuhause alles an Freiheiten und Luxus genießen können.

Pelikan Kuba

Die Kanadier sind großartig! Nicht nur, dass wir in Toronto festgestellt haben, dass Kanadier die nettesten Leute der Welt sind. Wenn man Kanadier und Afrokaribiker miteinander kreuzt, dann erhält man nicht nur sehr nette, sondern auch sehr unterhaltsamere Leute. Sie haben uns über Stunden mit einer witzigen Story nach der anderen unterhalten. Es war ein Genuss sie kennenzulernen. Vielleicht bleiben wir mit Ihnen in Kontakt. Das Internet ist da zwar sehr wankelmütig. Aber es wäre schon schön…

Und irgendwie sehnten wir uns plötzlich danach. Ein wenig Heimweh?

Tag 18 – Morón

Den Tag begannen wir gechillt mit Ausschlafen. So der Plan. Doreen hatte aber Hummeln im Hintern und so mussten wir kurz nach 10 dann doch abgefrühstückt und fertig losziehen. Als erstes suchten wir eine neue Casa in der Nähe von Havanna im Internet. Danach nervten wir Leo in seinem Souveniergeschäft. Wir sahen wie er mit Touristen umgeht, wie er leere Zeit totschlägt und wie er Freunde und Bekannte trifft. Sie als Laden bezahlen Reiseführer dafür, dass die mit Reisegruppen vor ihrem Geschäft stehen bleiben und etwas zur Historie erzählen. Die Chance, dass dann Leute den Shop betreten und etwas kaufen ist höher. Leo hat uns auch die Zeichen erklärt, an denen er Touristen unterscheidet: Kanadier sprechen flüssiges Englisch und sind dicker als andere. Briten reden auch flüssig, aber anders und sind schlanker. Franzosen hört man überall raus. Japaner und Chinesen muss man nicht erklären und dann kommen die Deutschen: Groß, blond, Klischee. Doreen könnte er ohne weiteres nicht einordnen. Je nach Ethnie muss er unterschiedliche Preise sagen. Japaner wollen mindestens 75% Rabatt erhandeln. Kanadier geben sich mit 50% Nachlass zufrieden. Und Deutsche hören den Preis und sind zufrieden oder eben nicht, die handeln nicht. Seine Sprachkenntnisse und die Lust neue Menschen kennenzulernen, lassen ihn gut geeignet sein für den Job.

Trotzdem kommt er uns manchmal merkwürdig vor und wir können ihn nicht richtig einschätzen. Nachdem er Arbeitsschluss hatte, sind wir mit dem Zug eine Station gefahren und dabei an richtig, richtig Armen Kubanern vorbeigekommen.

Zug in KubaWir stiegen aus und suchten ein Restaurant für uns. Natürlich haben wir ihn eingeladen. Ein reiches Essen für drei Personen kostete uns 16,50 €. Aber er kann sich sowas nicht leisten. Er verdient 20€ im Monat. Beim Essen ist er richtig sentimental geworden. Ich glaube er mag uns wirklich. Aber auf der anderen Seite will er sich durch uns exklusive (!) Vorzüge sichern. Als wir dann der Gastgeberfamilie vom Gottesdienst etwas Gutes tun wollten, indem wir etwas in ihrem Geschäft für mehr Geld kauften, hat er uns davon abgehalten. Er machte uns nur den billigen Preis und suggerierte, dass wir lieber ihm noch etwas Gutes tun sollten.

Den Abend über spielten wir Domino. Wie kann man ein derart simples und überschaubares Spiel nur so strategisch und durchdacht spielen? Ich würde felsenfest behaupten, dass es um Glück geht. So ein Unsinn!!! Ich habe kein Land gesehen. Doreen hat dieses Mal hin und wieder gewonnen. Aber eigentlich hat immer die Tochter unserer Gastgeber gewonnen. Es geht mir nicht in den Kopf. Sie haben mir ein paar Strategien verraten. Die habe ich auch verstanden. Aber letztlich hat man doch nur die Steine, die man hat!?! Hexerei!!!

Alles in allem war es ein schöner Tag. Langsam denken wir schon an das Ende. Es wirkt schon nahe. Dabei ist es noch mehr als eine Woche…

Tag 19 – Krokodile

Zwei gute Nachrichten heute:

Erstens, wir haben eine Fahrgelegenheit in Richtung Havanna. Eigentlich wollten wir hier am Montag abreisen. Aber wir haben uns dann doch entschieden ein bisschen länger zu bleiben, um Zeit mit Leo zu verbringen und weil die Leute hier ziemlich nett sind. Trotzdem haben wir es verpennt uns um ein Taxi zur nächsten Unterkunft zu kümmern. Zum Glück haben wir durch unseren verlängerten Aufenthalt einen Italiener kennengelernt. Der wohnt gerade bei uns und wollte eigentlich nach Cayo Coco weiter. Aber ihm ist es hier zu wolkig und kalt. (Für uns genau richtig.) Also will er morgen mit uns in die gleiche Richtung. Er spricht sehr gut Spanisch , denn da wohnt er und hat Erfahrung. Er spart mit uns Geld und wir mit ihm. Wunderbar! Die Strecke ist sehr weit und kann uns ganz schnell mehrere Hundert Euro kosten.

Zweitens, die Krokodile waren lieb zu uns. Wir sind zu einer Krokodilfarm gegangen. Die Krokodile sind aber eher unspektakulär gewesen. Lagen nur rum und haben sich sehr, sehr sparsam bewegt. Nur das kleine Krokodil, das wir auf den Arm genommen haben, war nicht ganz so ruhig. Aber letztlich schien es doch irgendwie entspannt zu sein. Krokodile sind schon witzige Dinger. Einen Killerblick, aber können sich kaum aus dem Wasser schleppen. Gut, wenn sie Beute wittern und jagen, können sie auch schneller. Lediglich ein einziges Wanderkrokodil war dabei. Es legte sich alle paar Minuten an eine andere Stelle. In Kuba gibt es wohl tatsächlich wilde Krokodile. Wo, wusste aber keiner. Dann sind es wohl nicht mehr viele.

Die 22 km hin und zurück sind wir hauptsächlich gegangen. 5 km haben wir geschummelt, indem wir uns von einem LKW haben mitnehmen lassen. Die Kubaner, die uns auf dem Weg mit Auto, Taxi, Pferd oder Fahrrad begegnet sind, haben uns mit unverkennbaren einheimischen Handzeichen des Friedens auf dem Weg begrüßt. Ein Zeichen geht so: Man führt den Zeigefinger zum Kopf, meist der Stirn, und führt damit eine kreisende Bewegung aus. Eine andere ist, dass man einem die Rückhand entgegenstreckt; alle Finger außer dem mittleren sind dabei zur Handinnenfläche gebeugt. Warum die Kubaner derart positiv auf unsere Wanderung reagiert haben, wissen wir nicht. Wahrscheinlich respektieren sie Sport und Bewegung in einem hohen Maße. Eine andere Theorie ist, dass sie uns gerne näher kennengelernt hätten, indem sie uns mitnehmen. Doch meist lehnten wir ab.

Straße in Kuba

Abends kam Leo uns besuchen. Wir hatten eine gute Zeit zusammen. Ich glaube langsam werden wir warm. Zu schade, dass es der letzte Tag mit ihm war. Obwohl… Man sieht sich immer zweimal im Leben. Er spart auf einen Pass hin und findet sicher eine Möglichkeit mal rauszukommen.

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