Trinidad (Tag 6 – Tag 14)

Tag 6 – Reise nach Trinidad

Morgens wieder ein tolles Frühstück… Nein, diesmal nicht. Unser Gastgeber hat mit dem Besuch von gestern eine kleine Party gefeiert. Um 4 Uhr morgens hörten wir, wie sie einen im Vollrausch hustenden mit etwas Musik beruhigen wollten. Tja, kein Wunder, dass es jetzt kein Frühstück gab. Zum Glück waren wir gestern einkaufen. Das half über den Tag. Aber zum Einsammeln des Geldes für das bisherige Frühstück war er aufgestanden.

Um 8 Uhr dann ins Taxi particulares. Die Fahrt sollte 3 bis 4 Stunden dauern, hat aber 5 gedauert. Aber kein schlechter Schnitt für 330 km mit Kaffeepause. Gefahren sind wir zu neunt in einem Ford der 50er Jahre. Der war für sein Alter erstaunlich gut in Schuss. Okay, die Motorhaube wackelte kräftig, das Lenkrad hatte ordentlich Spiel und keine einzige Anzeige im Auto funktionierte. Die Tanknadel war auf der Hälfte eingefroren, der Tacho bei Null, die Temperaturanzeige hatte keine Nadel und die Ölleuchte spielte Disko. Aber sonst… Lack war ordentlich, Scheiben auch, die Sitze waren aus neueren Modellen und die Lederverkleidung war auch in Ordnung. Und dass das Auto wie ein Traktor auf Speed klang, ist wohl normal.

Taxi colectivo innen

Die Landschaft veränderte sich dann tatsächlich. Kuba präsentierte sich plötzlich wirklich als tropische Karibikinsel, die sie ja tatsächlich ist.

Die neue Unterkunft ist ein Traum! Der neue Gastgeber begrüßte uns und erzählte uns gleich einmal, dass er großer Fußballfan ist. Die Deutsche Bundesliga wird hier sogar im Fernsehen übertragen. Barcelona mag er am liebsten. Aber gleich danach ist er BVB-Fan. Er zog sich dann schnell sein Deutschland-Trikot an (4 Sterne!).

Die Hündin der Hausherrin

Die Hausmutter, von ihm „Capo“ genannt, mag Tiere und hat zwei Chihuahuas. Drollige, kleine Viecher!

Außerdem ist hier noch ein anderer Deutscher zu Gast, der hier regelmäßig für mehrere Wochen herkommt. Der hat uns erst einmal eine kleine Führung gegeben und gezeigt, wie man hier auch günstiger an Essen, Transporte usw. kommt. Er kennt sogar unterschiedliche Wetterlagen, Entfernungen usw. Und empfahl uns diverse Vorgehensweisen oder Attraktionen. Andere Sachen empfahl er nicht. Auch gut zu wissen.

Am Abend sind wir dann bis zum Sonnenuntergang noch einmal mit den Fahrrädern zum Strand.

Das ist es also, das karibische Meer! Die Gewässer von Jack Sparrow, Christoph Kolumbus und der spanischen Schatzflotte. Dich werden wir kennenlernen.

Sonnenuntergang in der Karibik

Den Abend haben wir mit einem leckeren Essen ausklingen lassen:

Eine Entschädigung für das ausgefallene Frühstück.

Tag 7 – Fluch der Karibik

Die guten Sachen zuerst: Die erste Nacht in Kuba ohne Ohropax! Heute begannen wir den Tag mit Ausschlafen. Um 7:30 Uhr war Doreen wach. Es war etwas kühl, das heißt ein dünnes Laken reichte gerade noch so. Das lag wohl an der Kaltfront, die hier rüber zog. Aber über den Tag wurde es doch recht warm. Also wenn das eine Kaltfront hier ist, dann kein Problem…

Das Frühstück hier ist nicht ganz so gut, wie in Havanna. Aber es ist okay. Es gab Pfannkuchen, Käse, Marmelade, Kaffee, Spiegelei, Toastbrot und Saft.

Dann sind wir nach Trinidad. Wir wohnen ja nicht direkt in Trinidad, sondern Casilda. Eine schöne Altstadt, die unter UNESCO-Schutz steht. Es ist die älteste und gleichzeitig besterhaltene Stadt Kubas. Wir sind nur kurz durchgeradelt. Trinidad ist viel sauberer als Havanna. Viel sauberer!!!

Dann zurück zu unserer Unterkunft.

Und ab da wurde der Tag irgendwie komisch…

In der Mittagspause machten wir uns auf die Suche nach Essen. Früchte!

Aber hier in Casilda hatten alle Siesta. Also noch einmal nach Trinidad. Diesmal mit der Pferdekutsche. Auf dem Hinweg wurde Doreen komisch. Als wir da waren hatte sie ausgeprägten Durchfall. Das erledigte sich dann auf einer Restauranttoilette. Auf dem Rückweg bekam ich einen allergischen Anfall. Ich wusste, dass ich gegen Pferde allergisch bin. Aber so schlimm? Das hatte ich vergessen. Auf dem Hinweg stand der Wind anders. Da fiel das nicht auf. Wieder zurück packten wir unsere Sachen für den Strand und rauf aufs Fahrrad. Beim Aufsatteln habe ich dann nicht richtig aufgepasst. Und so rieb das Hinterrad an meinem Faltrucksack bis der durchgerieben war. Dem Inhalt ist aber nichts passiert. Am Strand angekommen, war die Sonne weg und es wurde kalt. Kaltfront… doch nicht so prall. Nachdem wir zurück waren hielten wir bei einem Restaurant, das uns empfohlen wurde. Gleich nach dem ersten Bissen wurde mir übel und ich suchte das Klo auf. (Die Erlebnisse sind echt! Kein Fake!!) das Klo hatte natürlich keine Klobrille. Na immerhin Klopapier und ich hab stramme Oberschenkel. Durchfall… Großartig! Naja gut. Bei Doreen hat ein Toilettengang auch gereicht. Ich betätige die Spülung. Nichts funktioniert! Ach du liebe Scheiße, was mache ich jetzt. Daneben steht ein Eimer mit Wasser. Ich kippe ihn ins Klo. Läuft nicht ab. Scheiß die Wand an, willst du mich verarschen? Daneben steht ein Gummipöppel. Ich gluckse im Klo rum. Nichts passiert. Ich fülle den Wassereimer und kippe es nach. Langsam sickert es ab. Aber es war Durchfall. Fein ist das nicht. Wahrscheinlich hat er daher keine Klobrille. Man soll nur klein. Ich nehme allen Mut zusammen und gehe zum Koch. Er sagt ich soll den Eimer nehmen. Ich kippe noch einmal nach und denke mir. Gut, ist nicht besser. Aber sein Problem… gibt es halt mehr Trinkgeld. Übers Essen wird es schlimmer. Ich will aber nicht noch einmal. Ich mache mit Doreen ab, dass ich zu unserer Unterkunft darf. Aber ich soll nicht länger als 15 Min brauchen. Hui, das war knapp. Ich erleichtere mich noch einmal und jogge zurück. Ich will ja die 15 Min einhalten. Und die frische Luft scheint mir gut zu tun.

Pollo rennt durch Casilda

Und dann kommt so ein blöder Hund; er findet wohl, ich bringe zu viel Unruhe ins Dorf und rennt grimmig bellend hinter mir her? Was ist nur mit diesem Tag los? Ich bekam ein wenig Schiss (schon wieder ^^) und lief schneller. Meine Apple-Watch meldet neuen Geschwindigkeitsrekord. Immerhin. Ich esse mit Doreen auf. Aber es wird immer schlimmer. Mir wird schwummrig vor Augen, ganz heiß, schlecht und dann… kommen unsere Nachbarn. Nette Konversation geheuchelt. Ich kann nicht mehr. Wir zahlen schnell und gehen. Ich werfe mich aufs Bett. Alles ist schlimm. Das ging schnell. Innerhalb von zwei Stunden von Bärenhunger bis Nahtod. Mir fällt ein, Meerschwein ist auch ganz plötzlich gestorben. Dann wird mir plötzlich ganz anders und es ist so weit. Ich kotze 10€ Vorspeise, Salat, Hühnchen mit Reis und Milchreis aus. Boah!!! Es geht mir gut!! Ich habe einen komischen Geschmack im Mund, aber ich kann klar denken. Na gut, ein leichtes Unwohlsein ist geblieben. Als ich mir alles noch einmal durch den Kopf gehen ließ, wurde mir schlagartig klar, was es war. Nicht Sonnenstich! Nicht Überanstrengung! (Bei stolzen 1500 Bewegungskilokalorien – ihr müsst noch den Grundumsatz addieren) Nicht das Wasser! Auf die Frage was denn die Pastete der Vorspeise sei, sagte er „alles – Pasta, Fleisch…“ ach du Scheiße! Reste!!! Wahrscheinlich die Reste unserer Vorgänger. Ja gut. Das hätte ich auch nicht essen sollen.

Letztlich stellte sich in der Nacht heraus, dass es ein ausgewachsener Sonnenstich war, der sich bei Doreen nur etwas milder zeigte.

Tag 8 – Tag des toten Samuel

Es war definitiv nicht nur das Essen. Ich lag den ganzen Tag darnieder gestreckt. Kotzen musste ich nicht mehr. Aber Durchfall war noch. Ich hab fast den ganzen Tag geschlafen. Abends bin ich aufgestanden, um mit Doreen Qwirkle zu spielen. Das hab ich auch durchgehalten. Aber danach musste ich mich wieder hinlegen. Essen könnte ich kaum. Nur so viel, dass der Magen nicht zu leer ist.

Doreen war vorsichtig, hat sich aber den Tag etwas netter vertreiben können. Sie war in Trinidad und hat dort ein paar Leute kennengelernt. Zum Beispiel Thomás. Er war zwischen 1986 und 1990 in der DDR, weil er dort eine Freundin hatte. Und dann machte er, wie er sagt, den größten Fehler seines Lebens: Er kam zurück.

Kutscher zwischen Casilda und Trinidad

Die Gastgeber gaben sich auch große Mühe ihr die Zeit zu vertreiben. So bekam sie eine Salsa- und Cha-Cha-Cha-Einheit von einer der Köchinnen.

Abends war sie auch noch einmal spazieren. Denn wenn man als Frau auf der Suche nach Komplimenten ist, muss man nur allein spazieren gehen. Man bekommt Wort gesagt wie „belleza“, „pretty lady“ und „Linda“. Aber das auf eine unaufdringliche Art und Weise. Die Kubaner machen Komplimente, gehen aber nicht zu weit.

Unsere Gastgeber waren sehr besorgt um mich. Sie fragten Doreen alle paar Minuten, wie es mir geht und um mich aufzuheitern hatte er sogar sein BVB-Trikot an.

Tag 9 – Wir machen ruhiger

Kaltfront: In Florida soll es schneien und auch hier mussten wir unsere Jacken rausholen. Aber warum sollte es uns auch besser gehen als unseren Freunden zuhause in Deutschland. Aber unser Gastgeber meint, das sei ein außergewöhnlich kalter Winter. Sonst sind es immer um die 30 Grad. Jetzt sind es nicht einmal 20.

Heute morgen ging es mir relativ gut. Nicht perfekt, aber ausreichend für einen sachten Ausflug. Weil ich nicht ganz so fit bin und weil es zu kalt für den Strand ist, fahren wir mit dem Taxi in die Berge. Was für eine Schrottkarre! Ich hab mich immer gefragt, wer unsere abgeranzten Autos vom Export denn überhaupt haben will. Jetzt weiß ich es. TÜV hat der schon ganz lange nicht mehr bekommen. Von den offensichtlichen Sprüngen in der Scheibe, Roststellen und abfallenden Teilen mal abgesehen, hat uns am meisten das Zündschloss beeindruckt: keines da. Der Fahrer schließt es über die Kabel kurz. Ist es überhaupt sein Auto? Dabei quillt immer leichter Rauch aus dem Armaturenbrett.

Auto mit Kabeln starten

Und zuverlässig ist es auch nicht. Es geht regelmäßig aus und dann startet er es vom Motor aus. Die Handbremse funktioniert auch nicht. Als unser Gastgeber sagte, er hole ein Taxi, dachten wir nicht an ein Ersatzteillager. So haben wir für 10 km Schotterpiste 40 Minuten gebraucht.

Unterwegs gab es aber einiges zu sehen. Man kann hier auch mit dem Pferd hoch. Manche machten das auch. Die Gruppe Reiter vor uns hielt erst einmal an und köpfte eine Flasche Alk. Erst danach ließen sie uns durch.

In den Bergen selbst sind wir in ein Naturschutzgebiet und dort an einen Fluss entlang bis zu einem Wasserfall. Dort konnte man auch Baden. Doreen hat das natürlich gemacht. Ich war noch etwas vorsichtig. Doreen fand dabei eine Höhle und schwamm hinein. Fischen schwammen hier auch. War ein schöner Sabbatspaziergang.

Wasserfall bei Trinidad

Die Natur hier in den Bergen ist sehr schön, so wie man sich Tropen mehr oder weniger vorstellt. Doreen würde sagen, wie im Harz.

Danach sind wir noch nach Trinidad und haben uns mit Internet und Essen versorgt. Die Reiseführer sagen immer, dass man fragen soll wer der letzte ist und sich dann hintenanstellt. Das mache man hier so in Kuba. Nein, macht man nicht! Die Kubaner drängeln an den Touristen vorbei, was das Zeug hält. Und passt man rechts auf, gehen sie links vorbei. Diese Schlingel!

Dann sind wir in unsere Unterkunft zurück.

Auf dem Rückweg haben wir Wolken und Nebelschwaden von Norden her langsam über die Berge kriechen sehen. Sah sehr romantisch aus, hat aber vermutlich noch mehr Kälte gebracht.

Radweg von Casilda an die Küste

Wahrscheinlich aufgrund der Ermattung von gestern noch, hatte ich heute ein wenig Heimweh. Ich sehnte mich nach meinem weichen Bett, nach Essen mit meinen Gewürzen, wo ich keine Angst haben muss und leckerem Trinkwasser.

Abends haben wir noch einmal Wetterbericht gesehen. Maximal 22 Grad. Und für die nächsten Tage ist Regen angesagt. Uff! Erst einmal schlafen gehen.

Tag 10 – Besuch bei der Familie

Heute ist Sonntag und wir wollten eigentlich die Baptistenkirche besuchen, die genau gegenüber von unserer Unterkunft ist. Aber der Pastor ist gerade bei einem Kongress und deshalb ist kein Gottesdienst. Nur eine Frau war da, um allen zu sagen, dass nichts läuft. Also brachte uns die Frau kurzerhand zu den Adventisten. Die bauen gerade eine eigene Gemeinde.

Kirchenrohbau

Das Gemeindegebäude und das Wohnhaus für die Pastorenfamilie sind noch im Bau. Wobei letzteres wahrscheinlich nur für uns im Bau befindlich aussah. Wir haben gefragt, ob wir mithelfen dürfen. Der STA-Pastor von Trinidad war Bauleiter. Die STA-Pastorin von Casilda (unserem Dorf) war Köchin. Doreen und ich schleppten Steine von A nach B und halfen dann die Stahlstreben für den Stahlbeton zu biegen. Die Stahlstreben werden auf das Gebäude gelegt und dann mit Zement aufgefüllt. Alles Handarbeit! Und wir waren dabei.

Bau in Kuba

Dann wurden wir zum Mittag eingeladen. Das war reichhaltig!!! So viel haben wir hier noch nie vorgesetzt bekommen. Mittagessen brauchen wir nicht mehr.

Wir haben die Pastorin gefragt, ob sie etwas lernen musste, um Pastorin zu werden. Sie sagte, dass sie gut mit Menschen umgehen kann. Das reicht. Ich habe den Eindruck unser Bibelgespräch hat hier eine deutlich wichtigere Bedeutung als bei uns. Aber ob das auch genutzt wird, weiß ich nicht. Immerhin halten sie sich an die gängigen Adventistensachen: kein Schwein, kein Schmuck, kein Alkohol, Sabbat halten und sie opfern keine kleinen Piepmätze. (Wir haben uns lange gewundert, warum hier so viele Leute mit leeren und halb vollen Vogelkäfigen durch die Gegend gehen. Da sind auch nur so kleine Dinger drin. Unsere Adventistenfamilie erzählte uns, dass man damit zaubert. Dafür muss man sie opfern. Tja. Arme Dinger!)

Als Pastor / Pastorin wird man zwar bezahlt, aber es reicht nicht. Man muss noch einen anderen Beruf ausführen. So ist das Leben…

Nach dem Mittagessen haben wir nach gleichem Liedgut gesucht. Zwei Lieder haben wir gefunden, bevor wir bei Weihnachtsliedern landeten. Die sind überall gleich.

Abends sind wir mit dem Pastor aus Trinidad zu seiner Gemeinde gefahren. Er zeigte uns alles: Gemeindesaal und Dachterrasse, Kinderraum, Gästezimmer, Wohnung des Pastors, Fruchtbäume (Avocado, Mango, Guave usw.) und natürlich die Küche fürs Potluck!

Ein stattliches Anwesen! Kuba hat 20000 Adventisten. (Deutschland ca. 35000) Da lohnt sich das auch. Er war sogar so nett und machte eine kleine Stadtführung mit uns. Am Ende fanden wir einen Bankautomaten, den wir mittlerweile bitter nötig hatten, und Internet. Aber danach fuhr uns nichts mehr zurück. Wir mussten gehen. Zum Glück geht das heute wieder.

Wir fanden es klasse sofort bei fremden Menschen sofort als Familie aufgenommen worden zu sein. Das verbindet doch ungemein. Und wir haben schließlich Steine schleppend unsere Solidarität bekundet. Am Ende haben wir auch noch ein bisschen Geld dagelassen. Sie wollten es erst gar nicht annehmen. Aber es bleibt ja in der Familie…

Tag 11 – zwischen schöner Natur und schlechter Laune

Heute hat Juan-Carlos, unser Gastgeber irgendwie schlechte Laune. Wir haben ihn nach dem Bus nach Ancón gefragt. Der ist eigentlich nur für die Einheimischen. Aber der Busfahrer findet es nicht schlimm, wenn sich ein paar Touristen mit harten Dollars „organisieren“ . Juan-Carlos findet das trotzdem nicht gut. Wir haben den Eindruck, dass er zu argumentieren versucht, dass wir den teuren Touristenbus nehmen sollen. Aber letztlich ergießt er sich in Tiraden über das sozialistische System. Jetzt haben wir auch schlechte Laune. Wir nahmen das Rad. Deutlich teurer, dafür den ganzen Tag und das Geld geht an Juan-Carlos. Soll er zufrieden sein. Dabei ist er einer derjenigen, dem es hier mit großem Abstand sehr gut geht, verglichen mit den Adventisten hier im Ort.

Auf den Fahrrädern sind wir erst einmal an der Baustelle der Kirche vorbei und haben uns für den nächsten Tag verabredet und auch noch Pesos eingetauscht. Wir gaben ihnen 10 CUC (hiesiger Dollar) und bekamen dafür 150 Peso. (Eigentlicher offizieller Wechselkurs 1:25). Erst zögerte der Pastor, dann nahm er uns zur Seite und erklärte uns, dass der Wechselkurs eigentlich ein anderer sei, als wir jetzt gehandelt haben. Wir sagte nur: „Wissen wir. Danke für deine Hilfe!“ er freute sich. Wir stecken dreimal lieber ihm das Geld zu als es unserem Gastgeber der reich genug ist.

Dann sind wir mit dem Rad nach Ancón. Das ist Kubas zweit meist gehypter Strand. Ein Must-See auf jeder Reiseempfehlung. Aber wir waren ehrlich gesagt etwas enttäuscht. Der Strand der Einheimischen in Havanna hat uns mehr gefallen. Wir haben uns dort gar nicht erst niedergelassen und sind gleich zurück. Die anderen Strände in der Nähe sind günstiger und genauso gut. Dort haben wir die Mittagshitze unter einem Sonnenschirm und im Wasser verbracht.

Kleiner Strand neben Ancon

Boah, ist das heiß heute! Aber wir wollen uns nicht beschweren. Wir wissen ja, das Wetter kann auch anders. Wir sind ja nicht abergläubisch und die armen Vögel tun mir leid. Also lieber nichts heraufbeschwören.

Als es etwas weniger heiß geworden ist, sind wir wieder auf die Räder, haben eine große Runde an den Korallenriffen und den Bergen vorbei gemacht und sind schließlich über Trinidad zurück zu unserer Casa. Alles in allem sind wir etwa 30 km auf dem Fahrrad unterwegs gewesen, heute.

War aber schön! Unsere schlechte Laune haben wir bei Joachim ablassen können. Er ist Langzeitgast bei uns und hilft Ihnen mit dem Internet. Dafür darf er vermutlich ein paar Vorzüge genießen.

Den Abend haben wir im Schatten bei Spielen und Erzählungen ausklingen lassen.

Tag 12 – Pirates of the Caribbean

Heute sind wir früh los, um mit dem Katamaran zum Schnorcheln zu fahren. Die Fahrt zur Schnorchelstelle dauerte 2 Stunden und wir hatten optimales Wetter. Es war angenehm warm, aber bewölkt genug, sodass es nicht zu heiß wurde. Wir schnorchelten und fanden eine deutlich heilere Korallenwelt vor als in Ägypten, wenn auch nicht so farbenfroh und bunt. Die Fische waren gut drauf und posierten, die Korallen auch. Wir haben ein paar Aufnahmen gemacht, die sich Kapitän Nemo wohl in seinen Salon hängen würde.

Unterwasser im Karibischen Meer

Danach sind wir weitergefahren zu einer Insel. Hier haben wir Paella gegessen. Das ist Reis mit Zeug drin. Fragt mich nicht was, ich will es gar nicht wissen. War okay. Aber fürs Essen fährt man nicht nach Kuba, das wissen wir ja bereits. Das besondere an der Insel waren neben dem wirklich paradiesischen Aussehen, das jeden Reisekatalog ehren würde, die Tierwelt.

EinsiedlerkrebsEinsiedlerkrebse soweit das Auge reicht. Die meisten recht klein. Aber es sind auch ein paar größere dabei gewesen. Außerdem gab es so komische Tiere, die wir schon mal im Zoo gesehen haben.Kleines Biest Aber wir wissen beim besten Willen nicht, wie sie heißen. Wombatze? Mule? Sie sind groß wie eine Katze, sehen aber eher wie Meerschweinchen aus, aber mit längeren Beinen. Wir haben sie Ratten genannt, weil sie zwar ganz putzig aussehen, aber einen frechen bis garstigen Charakter haben. Besonders gegenüber den Leguanen!

LeguaneJa, hier gab es Leguane! Wie geil ist das denn? Richtig viele! Große, kleine, dicke, dünne, scheue und kuschelige. Richtig gelesen! Wir konnten sie tatsächlich streicheln. Dabei haben sie genüsslich die Augen zugemacht und gechillt. Doreen und ich fühlten uns mit denen irgendwie seelenverwandt. Ich glaube wir gehören zu diesen Reptiloiden, von denen man im Internet lesen kann.Leguan streicheln

Nur hochnehmen durfte man sie nicht. Aber wer lässt sich schon gern auf den Arm nehmen. Dennoch: Geile Tiere!

Leguan

Am Abend sind wir noch mal zu unserer adventistischen Familie. Dort haben wir etwas zu essen bekommen und uns dann gemeinsam den Abend vertrieben.

Tag 13 – der Alltag

Uns wurde gesagt, dass es hier ganz selten regnet. Wenn, dann mal ein paar Tröpfchen. Letzte Nacht hat es wie aus Kübeln geregnet. Die ganze Nacht. Aber am Morgen klarte es auf und es wurde ein schöner Tag. Trotzdem ist wegen des Regens in der Nacht die Schule ausgefallen. Wir haben aber nicht verstanden, warum das ein Grund für Schulfrei sein soll.

Regenwolken

Heute hatten wir den Alltag der Kubaner etwas mehr im Fokus:

Auf unserem Weg in die Stadt haben sind wir an einen Kutscher geraten, der uns partout über den Tisch ziehen wollte und auf sein Recht bestand von uns mehr zu bekommen als von allen anderen. Tja, so ist das, wenn man hier wie ein Tourist aussieht. Dabei fühlen wir uns mit unseren Flipflops, den Strohhut aus dem Souvenirgeschäft, dem Fotoapparat um den Hals, Rucksack auf dem Rücken und der Sonnencreme auf der Nase eigentlich ziemlich inkognito. Die müssen einen siebten Sinn für Ausländer haben.

Aber die Aussicht vom Kirchturm in Trinidad lohnt sich wirklich

Er hat am Ende mehr bekommen als er verdient hat, aber weniger als er wollte. Der hat vielleicht geschimpft! Wir waren schon 100 m weg und er schimpfte noch. Wir dachten erst, dass er sehr unausgeglichen ist. Aber bei näherer Betrachtung schimpfen insgesamt Kubaner ausdauernder als andere. Als wir die Straße entlanggingen, sahen wir eine Frau mit einem Kleinkind. Das Kleinkind griff bei einem Haus in das Gitter und wurde sofort von einem Hund angekläfft. Aber nun fing nicht das Kind an zu schreien, auch nicht die Mutter. Die Frau in dem Haus beschwerte sich sehr ausdauernd. Mutter und Kind müssten erst 60 m weiter in eine Straße abbiegen, damit die Frau Ruhe gab und nicht die ganze Straße zusammenranzte. Wärme entspannt wohl nicht automatisch.

Abends waren wir wieder bei unserer Lieblingsfamilie. Wir haben sie gefragt, wie sie sich normalerweise die Abende um die Ohren schlagen. Sie meinen, dass sie dann zu Freunden gehen und über die Bibel reden. Man muss wissen, dass sie ein ganz anderes Einkommensniveau sind als unsere Gastgeber. Der Fernseher rauscht, weil die Antenne schlecht ist, die fünf Köpfe wohnen in 4 Zimmern, eines davon ist die Küche und eines ist ein Flur. Gegessen wird draußen, Fernsehen ist im Flur möglich (Bzw. Der Fernseher steht im Flur und alle sitzen draußen und schauen rein.)

Als ich mich dann mit den anderen vor den Fernseher setzte um Baseball (Nationalsportart Kubas) zu sehen, hat Doreen dem jüngsten Sohn Deutsch beigebracht. Der Kerl hat eine Ausdauer!!! Unglaublich! Mal sehen wie viel er morgen behalten hat.

Diese Familie ist uns wirklich sehr ans Herz gewachsen. Wir Ihnen auch. Wir sollen im Sommer wiederkommen, wenn die Kapelle steht. Hach…

Tag 14 – ein historischer Tag

Seit gestern Abend gibt es Internet hier im Ort. Internet heißt, dass auf dem

Platz in der Mitte WiFi ausgestrahlt wird. Man kann das WiFi dann stundenweise kaufen. Bisher war der Park ein Ort des sozialen Zusammenseins. Man hat uns schon prophezeit, dass sich das jetzt ganz schnell ändern wird. Auf der einen Seite ist es schade, weil dadurch eine ganze Menge sozialer Kultur verloren gehen wird. Auf der anderen Seite sind wir nun einmal in einer modernen Welt und wer will es ihnen nicht gönnen? Dennoch: der Alltag, wie wir ihn hier erlebt haben, wird sich schnell ändern.

Wir haben heute eine ausgedehnte Fahrradtour gemacht. Alles in allem 50 km. Unterbrochen war die Fahrt von einer Siesta zur Mittagshitze.

Begegnung auf den Weg

Die Fahrt war mehr oder weniger freiwillig. Eigentlich wollten wir zum Strand. Das haben wir auch gemacht und es ging genauso lange gut, dass Doreen schwimmen gehen konnte. Dann kam ein Kubaner und wollte Geld für das Aufpassen auf unsere Fahrräder. So ist das hier überall. 1€ wollen sie dafür pro Fahrrad. Erst haben wir nach einem kostenlosen Stand gesucht. Aber nichts zu machen. Das ist hier überall so. Hätten wir jedes Mal das Geld gezahlt wären wir hier locker einen Zehner los für nichts. Als wir gegen Mitte der Tour auf einem kleinen Hügel anhielten und die Aussicht genießen wollten, kam wieder einer. Da war ich dann so angenervt, dass ich etwas ruppig reagierte. Er gab dann Ruhe als wir versprachen in 10 Minuten weg zu sein.

Ich hoffe nur Trinidad ist so. Wenn sich das Bild nicht demnächst ändert, dann werde ich Kuba in sehr sehr schlechter Erinnerung behalten.

Abends haben wir uns noch einmal rührselig bei unserer adventistischen Familie verabschiedet. Danach waren wir hier in der Casa und waren zum Abschiedsessen eingeladen. Es gab einen riesigen Rotbarsch, den wir auch zu sechst nicht geschafft haben. Dazu Youka (ich habe es bestimmt falsch geschrieben), Reis, Salat und Kochbananen. Erstaunlich wie abwechslungsreich man mit immer den gleichen Zutaten kochen kann. Wenn man mit Kubanern privat zusammen ist, ist es doch ganz nett. Man sollte nur nicht den Fehler machen und Tourist sein.

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