Verkehr in Kuba

Der Verkehr

Warum wir denn keinen Motorroller mieten, wurden wir gefragt. Weil wir nicht bescheuert sind, hätte ich gern gesagt.

Capitol Oldtimer Kuba

Der Verkehr ist rudimentär geregelt. Die Vorfahrtsregeln sind denen der USA sehr ähnlich. Wer zuerst an eine Kreuzung kommt, darf auch zuerst fahren. Es gibt ein paar Ampeln und ansonsten Schilder. Ich habe nur den Eindruck, dass die Verkehrsregeln eher Empfehlungen als richtige Regeln sind. Es wird bei Rot gefahren, wenn die Kreuzung relativ frei ist, mal macht sich auch das größere Fahrzeug Platz und so erinnert der Verkehr manchmal an Indien. Ein besonders schweres Los hat man als Tourist. Wer unsicher durch die Straße gurkt, ist sofort im Fadenkreuz. Aber Touristen, die Autos gemietet haben, scheinen eine besondere Strategie entwickelt zu haben: rechts ranfahren und warten, bis sich die Lage beruhigt hat.

Als Fußgänger unterwegs

Wenn man Tourist UND Fußgänger ist, hat man doppelt Pech. Für Fußgänger wird nicht gebremst. Und das ist kein Spaß. Wir haben uns von Kubanern erklären lassen, was passiert, wenn ein Fußgänger mal einem Auto zum Opfer fällt: Wenn der Fußgänger stirbt, muss jemand ins Gefängnis. Wenn der Fußgänger nicht stirbt, sondern nur verletzt ist, passiert gar nichts. Da ist es kein Wunder, dass die Autofahrer so schnell und so knapp wie möglich an Fußgängern vorbeifahren. Aber auch sonst werden Fußgänger nicht wirklich geschützt. Wir haben nicht einen einzigen Zebrastreifen gefunden. Lediglich ein paar Fußgängerampeln. Selbst der Malecón, Havannas berühmteste Straße, hat zwar sechs bis acht Spuren, aber keine sichere Möglichkeit für Fußgänger zu passieren. Wenn halbwegs frei ist, heißt es rennen. Und selbst wenn Ampeln da sind: Die Rotphasen für Auto sind ja eher Empfehlungen und für Fußgänger wird nicht gebremst. Als Fußgänger hat man im Optimalfall kräftige Waden, um gegebenenfalls schnell von der Straße springen zu können. Und das ist auch wirklich nötig!

Mit dem Auto durch Kuba

Wer sich dann als Mieter eines Fahrzeugs schon von den anderen Verkehrsteilnehmern gemobbt fühlt, sollte der Polizei aus dem Weg gehen. Wir haben gesehen, dass Touristen einen Strafzettel für etwas kassiert haben, das rundherum auch alle anderen machen. Man könnte den Beamten auch bestechen. Aber wer macht denn sowas? Und vielleicht ist der Strafzettel günstiger…

Eine weitere Besonderheit sind die Reparaturen. Alte Autos haben auch die Probleme von alten Autos und hin und wieder sind Reparaturen fällig. Aber Werkstätten sind recht rar gesät. Wahrscheinlich ist mal selbst der beste KFZ-Meister. Doch wo reparieren, wenn das Auto nicht ins Wohnzimmer passt? Richtig, auf der Straße. Nein, nicht am Straßenrand! Mitten auf der Straße. Und dann stand da auf der mittleren einer dreispurigen Straße ein Auto aufgebockt und beide Hinterräder waren abmontiert. Das stellt natürlich auch in Kuba eine gewisse Unfallgefahr dar. Daher ist jedes Fahrzeug zur Mitführung eines Warnbaums verpflichtet. Ist natürlich Quatsch! Zweige, Äste und Bäume findet man fast überall. Das Grünzeug wird dann einfach hinten angebunden. Wenn man mal drüber nachdenkt, eigentlich sind clevere Lösung: Wenn ein Auto mit Grünzeug irgendwo auf der Straße steht, wird das nicht nur kurz halten. Das steht dann sicher schon eine Weile da. Es ist aber tatsächlich nur eine zeitlich befristete Lösung. Auto sind hier zu wertvoll, als dass sie hier lange irgendwo rumstehen.

Auto repariert Kuba

Kennzeichen und Automarken

Noch eine Besonderheit sind die Kennzeichen: Buchstaben vorne und Zahlen dahinter kennen wir auch. Allerdings sind die Buchstaben hier nicht Regionen zugeordnet, sondern Funktionen. „B“ hat alles, was irgendwie staatlich oder öffentlich ist. Z.B. Busse, Regierungsfahrzeuge und Polizei. „D“ hat alles, was Diplomatenfahrzeuge sind. (Haben wir nie gesehen) „P“ sind normale Zivilisten. Es gibt wohl auch noch andere Buchstaben, aber deren Bedeutung habe ich mir nicht merken können. Roller haben übrigens keine Nummernschilder. Außer E-Roller.

Und als letzte Info: Das mit Abstand häufigste Auto ist: Lada. Gleich danach kommen sämtliche amerikanischen Modelle aus den 50ern und 60ern: Pontiac, Cadillac, Ram, aber am Häufigsten Chevrolet. Und dann ist noch recht häufig ein sehr kleines Auto zu sehen, das ist noch nicht zuordnen konnte. Später haben wir dann herausgefunden, dass es “Polski Fiat” heißt; ein spannendes kleines Auto.

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