Warum Kuba überbewertet ist

Natürlich ist Kuba Karibik, sicherer als andere Länder und wird gerade in den Prospekten angepriesen. Man solle jetzt noch einmal schnell das „alte Kuba“ sehen, bevor es von den Amerikanern überrannt wird. Ich kann das absolut nicht nachvollziehen!!!

Hier eine kleine Liste, was mit Kuba alles nicht stimmt.

Ob du der Typ bist, für den sich eine Reise nach Kuba doch lohnt, erfährst du hier.

1. Die Sehenswürdigkeiten

Trinidad – Perle der Kolonialzeit, Ancón – zweitschönster Strand Kubas, Varadero – Touristenparadies, Cayo Coco – Insel der Träume… In den Katalogen und auch auf den Plakaten hier am Straßenrand sieht das alles sehr lohnenswert und paradiesisch aus. Aber wenn man real davorsteht, ist es eher enttäuschend. Von dem alten Kuba ist nichts zu sehen, paradiesische Strände sind woanders schöner und auch ansonsten ist hier nichts wirklich außergewöhnlich. Ist aber doch ganz nett hier. Man sollte sich von den Sehenswürdigkeiten aber nicht zu viel erwarten, sonst ist man enttäuscht. Ja, natürlich fahren hier alte Autos rum und man kann den kubanischen Lebensstil kennenlernen. Aber die Autos findet man auch auf jedem Oldtimertreffen und von dem kubanischen Lebensstil sieht man als Tourist sowieso kaum etwas. Wenn man Kuba bereisen will, dann sollten die Sehenswürdigkeiten nicht der Grund sein. Das lohnt nicht!

2. Kuba ist teuer

Also wenn wir alles in allem mal überschlagen ist ein Urlaub in Deutschland nicht wirklich teurer als ein Urlaub hier. Das mag als Pauschaltourist anders sein. Aber man zahlt sich an allen Ecken dumm und dämlich. Die Preise sind horrend und gemessen an der Leistung total überbewertet. 1 € für das Parken eines einzelnen Fahrrads? 10 € für ein Mittag ist nicht teuer, gemessen an einem Dönerteller aber weniger, weniger gesund und teurer. Wenn man hier auf eigene Faust reist, so wie wir, muss man damit rechnen ausgenommen zu werden wie eine Weihnachtsgans.

Aber selbst wenn man nicht von den Touristenfallen ausgenommen wird, dann wundert man sich doch über die Preise in den Supermärkten, die ja auch für Kubaner gelten. z.B.: eine Packung normale Spaghetti: 1,50€; Standardcornflakes einer Noname-Marke von Spar: 3,75 € (ja hier sind deutsche Produkte sehr beliebt: Kühne, Spar usw. Nur deutsche Autos sind eine Seltenheit) Wer nach Kuba fährt, um billig ein bisschen Urlaub machen zu können, ist hier garantiert falsch. Unser Schnitt pro Tag: 70 € plus Flug.

Mein Fazit: Wenn man bereit ist US-Preise zu zahlen, kann man auch in die USA fliegen. Für die Umstände hier würde ich einen deutlichen Nachlass erwarten.

3. Kubaner sind leider keine Kanadier

Mal von unseren adventistischen Freunden hier und wenigen Ausnahmen abgesehen sind Kubaner nur so weit nett zu dir, wie es Geld gibt. Viel Geld! Aber auch dann hält sich die Freundlichkeit auf Höflichkeit begrenzt. Aber ist das nicht überall so? Dieser Gedanke kam mir auch. Aber leider waren wir zuvor in Toronto und die Menschen dort sind was Freundlichkeit angeht das komplette Gegenteil. Andere Reisende haben das ähnlich beschrieben. Aber es soll wohl nur in Kuba so sein. In anderen karibischen Ländern sind die Menschen wohl auch netter und verlangen nicht gleich Geld.

Eine Ausnahme muss ich doch machen: Je weiter man sich von den Touristengegenden entfernt, desto netter scheinen die Leute zu werden. Und natürlich gibt es auch sehr nette Leute hier. Aber im Schnitt kann man die Leute hier höchstens höflich nennen. Wer im Urlaub in Kuba nette Leute kennenlernen will, sollte Kanadier suchen.

4. Der Gestank

Mit Gestank meine ich nicht Müll, der hier überall rumliegt, nicht die Fäkalien, die in jeder Stadt in Ecken und auf den Straßen liegen, und auch nicht das ein oder andere verwesende Tier, das man hier und dort liegen sieht. Müll, Fäkalien und Kadaver erkennt man irgendwann aus der Ferne und wechselt einfach die Straßenseite. (Wobei das in Bezug auf Fäkalien deutlich schwieriger ist. In großen Teilen von Havanna liegt das überall rum. Andere Städte sind da deutlich anders. Die haben nur Müll.)

Was hier so stinkt sind die Autos. Alte amerikanische Maschinen sehen zwar irgendwie romantisch aus. Aber sie sind nicht gerade mit den neuesten Abgasfiltern ausgerüstet und knallen ihren Ruß überall hin. Aus den meisten Auspuffrohren quellen tiefschwarze Wolken. Und die Kubaner scheinen das in Ordnung zu finden. Wenn man anhält, zum Tanken, zum Erzählen, zum Einkaufen, wird der Motor in der Regel laufen gelassen. Das stinkt! Selbst an der Küste, wo immer eine kleine Brise weht, stinkt es nach Abgasen. Wer überfüllten, stinkenden Städten entfliehen möchte und im Urlaub Ruhe und Natur braucht, ist in Kuba falsch. Die Alpen sollen sich für sowas eigenen.

5. Das Verhältnis zur Natur

Kuba ist ein Schwellenland mit deutlichen Zügen von Entwicklungsländern. In solchen Ländern sind Naturschutz und Umweltbewusstsein ja nicht gerade eine Kardinaltugend. Hier gibt es zwar Mülleimer, aber die werden nicht wirklich benutzt und auch nicht wirklich geleert. Wir haben mal eine Müllabfuhr bei der Arbeit gesehen. Naja, es war hinterher deutlich weniger Müll auf der Straße. Von „Müll wurde abgeholt“ würde ich da allerdings noch nicht reden. Selbst die kubanischen Christen haben da nicht so das Bewusstsein. Als mir die Tüte unseres Lunchpakets wegflog und ich hinterher hechtete, um sie greifen, wurde ich nur erstaunt gefragt „brauchen wir die noch?“ Die entspannte Einstellung zum Müll sorgt eben dafür, dass der hier auch überall rumliegt und stinkt. Aber vielleicht bin ich an dieser Stelle auch einfach zu deutsch.

6. Das Essen

Ich habe es hier und da schon mal anklingen lassen. Das Essen in Kuba kann ganz gut sein, ist aber weit von dem entfernt, was man gesund nennt. Grundnahrungsmittel sind Reis mit Bohnen und Fleisch. Kuba bietet wohl auch einiges an Gemüse und Obst (das Angebot war am Anfang unseres Aufenthalts wegen des Hurricanes sehr begrenzt, wurde mit der Zeit aber breiter), aber das wird nicht wirklich gegessen.

Als Vegetarier hat man es hier schwer. Als Veganer würde man hier verhungern. Das liegt nicht so sehr an den Preisen und am Angebot. Natürlich ist das (gesunde, gute) Essen im Vergleich zu Deutschland sehr teuer und das Angebot ist deutlich begrenzter. Aber es gibt selbst unter den Adventisten weder ein Bewusstsein für Umwelt oder Gesundheit. Vielleicht entwickelt sich das noch. Aber die karibische Küche in anderen Ländern wie Jamaika oder der dominikanischen Republik sind ja auch deutlich bekannter. Doch wie ich bereits sagte: Man kann hier und da gutes Essen finden. Es bleibt aber: für das Essen kommt man nicht nach Kuba.

7. Das „wirkliche“ Kuba aus der Werbung

Weiß nicht was das sein soll…, das wirkliche Kuba. Was will man sehen, wenn man das wahre Kuba sehen will? Menschen, die in einem Sozialstaat verarmen? Marode Häuser, geflickte Autos, ungesunde Menschen und potentielle Flüchtlinge?

Kuba ist ein armes Land, das versucht in die Moderne zu kommen und sich dabei selbst im Weg steht und von anderen daran gehindert wird. Das ist das wahre Kuba. Und selbst mit Millionen Touristen mehr, wird es das auch noch eine ganze Weile sein.


Du bist von alledem nicht abgeschreckt und überlegst, trotzdem nach Kuba zu reisen? Ob Kuba für dich das geeignete Reiseziel ist, erfährst du hier.

Eine Antwort auf „Warum Kuba überbewertet ist“

  1. Wir kommen gerade von einer Kuba-Rundreise zurück und kann den Artikel blind unterschreiben.
    Das giebt es woanders schöner und preiwerter. ein schlechteres Preis-Leistungsverhältnis haben wir noch nirgends auf der Welt gehabt (Kenia Mexico Asien ect.)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.